60 einzigartige Tage in Leipzig

Ein Erfahrungsbericht von Kristina Nikiperovich über ihre Hospitation beim „EastWest e.V.“ in Leipzig, Sommer 2015.

Meine Hospitation in Leipzig, die 60 Tage lang gedauert hat, war voll von spannenden Erlebnissen. Mit der Hospitation wollte ich mehr über die Tätigkeit der Jugendorganisationen in Deutschland erfahren. Wie bereitet man die internationalen Projekte vor und realisiert sie

An meinem ersten Tag in Deutschland hat die Vorsitzende einer der Organisationen, in denen ich hospitiert habe, - EastWest e.V.- Julia Ostanina, versucht, alle meine Fragen zu beantworten. Zu der Zeit war sie und die Mitglieder des EastWest e.V. mit einem internationalen Projekt in Russland „Gemeinsam erinnern – gemeinsam die Zukunft gestalten“ beschäftigt. Das Projekt ist den ehemaligen KZ-Häftlingen gewidmet. Heute sind sie alle alte Menschen, die ihre Erinnerungen über die Ereignisse der damaligen Zeit bewahren. Es ist sehr wichtig, diese Erinnerungen der Nachkommenschaft zu vermitteln. Mit dieser Aufgabe fahren die jungen Teilnehmer des Projekts nach Russland, um diese alten Menschen kennenzulernen, sich zu unterhalten und zu fragen, wie ihr Leben in KZ und in der Zeit danach war. Als Ergebnis dieses Projekts wird eine Aufsatzsammlung auf Russisch und Deutsch veröffentlicht, damit jeder sie im Internet anschauen kann.

Für mich persönlich ist dieses Thema sehr nah, weil mein Großvater auch ein ehemaliger KZ-Häftlinge ist. Bei der Vorbereitung der möglichen Fragen für das Interview war es für mich wirklich sehr interessant, wie ein Kind so grausame Ereignisse überleben konnte, wie es das Kind beeinflusst hat. Ich warte erwartungsvoll auf die Veröffentlichung der Interviews.

Außer der Arbeit mit den Dokumenten und Anträgen, dem Briefwechsel mit Freiwilligenorganisationen im Ausland habe ich mit den Mitgliedern einer anderen Organisation – Jugendclub „IUVENTUS“, in der ich auch in derselben Zeit hospitiert habe –  etwas neues in verschiedenen Workshops (wie zum Beispiel Body-art, Baslten- und Malkurse) erfahren. Jetzt kann ich Torten schmücken, Traumfänger basteln, kaligraphisch schreiben und so weiter, und so fort. Obwohl ich an der Vorbereitung der Workshops teilgenommen habe, war das alles für mich genauso spannend, wie für die Menschen, die die Skizzen, Arbeitsmaterialien und Instrumente zum ersten Mal gesehen haben.

Eine der eindrucksvollsten Veranstaltungen war für mich das Treffen mit dem Ministerpräsidenten Sachsens Stanislav Tillich im Rahmen des Dialogforums „Miteinander in Sachsen“. Das Forum wurde dem Thema Migration gewidmet. Ich wunderte mich, wie kurz die Distanz zwischen der Regierung und dem Volk ist: jeder Teilnehmer des Forums konnte in kleinen Gruppen seine Meinung äußern. In jeder Gruppe war ein Assistent des Ministerpräsidents anwesend, der während der Besprechungen einige Notizen machte. Mir scheint, dass das Bevölkerungsfeedback der Regierung eines Bundeslandes helfen kann, sich in eine korrekte Richtung zu bewegen, wobei die Bedürfnisse der Bürger beachtet werden.  

Was meine Freizeit angeht, lernte ich die Stadt und die Menschen, die da wohnen, studieren oder arbeiten, kennen. Meiner Meinung nach, ist Leipzig die goldene Mitte zwischen einem geräuschvollen Megapolis und einem stillen Dorf. Einerseits gibt es hier mehrere grüne Flächen: Parks, Seen, Gärten. Anderseits finden hier mehrere Veranstaltungen nach jedem Geschmack statt: Klassische, kirchliche und Rockkonzerte, Open-airs, Theaterfestivals, Sportveranstaltungen usw. Besonders begeistertet war ich von zwei sehr berühmten Sehenswürdigkeiten dieser wunderschönen Stadt: Die erste ist der Zoo. Das ist ein großer Tiergarten, in dem viele verschiedene Tiere aus aller Ecken der Welt in sehr gemütlichen und komfortablen Bedingungen wohnen. Die zweite ist das Wave-Gotik-Treffen, wenn die ganze Stadt sich in einer großen schwarzen Bühne mit originell und meisterhaftverkleideten Menschen verwandelt. Schade, dass ich dieses Ereignis mit meinen eigenen Augen nicht gesehen habe.    

Zum Schluss möchte ich sagen, dass die Zeit meiner Hospitation mit neuen Erlebnissen ausgefüllt wurde. Nicht nur neue Kenntnisse im Bereich der Jugendarbeit, sondern auch persönliche Erfahrung und Entwicklung waren für meine zukünftige Tätigkeit bedeutend. Ich bin so froh und bedanke mich bei allen Menschen, dank denen dieser Sommer zur besten Zeit meines Lebens wurde!   

 

Kristina Nikiperovich 
Hospitantin Deutsch-Russisches Hospitationsprogramm
djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V. 

 

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