Break-Chance und Break-Grenzen

Anfang letzten Jahres boten sieben Mitglieder des Magdeburger Tanz-und Künstlerkollektivs „Flowjob“ einige Workshops in Breaking an (die Bezeichnung der zur Hip Hop-Kultur gehörenden Tanzkunst, weitgehend bekannt unter der Fremdbezeichnung „Breakdance“). Kinder der Flüchtlingsunterkunft konnten daran kostenfrei teilnehmen. Daraus sind im letzten  Jahr zwei Projekte entstanden: Break-Chance und Break-Grenzen.

In Zusammenarbeit mit der Integrationshilfe Sachsen-Anhalt e.V. unterrichtet die Gruppe im Projekt  Break-Chance überwiegend syrische Kinder und Jugendliche kostenfrei im Einewelt Haus Magdeburg sowie auf dem Urbanen Gelände Werk 4. Break-Grenzen  ist der Titel für das anfänglich von der Aktion Mensch Stiftung geförderte Inklusions-Projekt bei dem zehn besonders talentierte und ambitionierte Kinder mit und ohne Fluchthintergrund zu einer Nachwuchstanzgruppe gecoacht und gemanaged werden. 

"Lets break" ist dabei nicht nur der Aufruf zum Tanzen, sondern bedeutet sinnbildlich das Niederreißen von gesellschaftlich konstruierten Grenzen, die einen Kontakt zwischen Kindern im Voraus verhindern können.

“Ich möchte den Kindern die Möglichkeit geben, sich zu entfalten und an gute Leute zu kommen. ”, sagt Alexander Wassilenko, Tanzlehrer und Gründer des Projekts, „Wir sind der Meinung, dass Hip Hop ein kleines Miniaturuniversum ist, wo es die gleichen Probleme und Chancen wie in der Außenwelt gibt – wo man Erkenntnisse und Einsichten über das Leben sammeln und im Alltag anwenden kann.”

Ende des Jahres gewann der Tanzkurs  „Break Chance“ den 1. Platz des Integrationspreises Sachsen-Anhalt e.V. in der Kategorie "Willkommenskultur". Ein halbes Jahr später war der Schock groß, als bekannt wurde, dass drei der Preisträger zusammen mit ihrer Familie nach Serbien abgeschoben werden sollen. Die Flowjob Crew Magdeburg unterstützt die drei Brüder und ihre Familie mit einer Petition und organisierte im Rahmen des Kunstfestivals „Sinnlichkeit“ eine Tanzperformance und Ausstellung zum Thema Flucht und Abschiebung. 

Flowjob versteht sich überwiegend als eine sozial engagierte Initiative, die die Elemente und Potenziale der Subkultur Hip Hop zur Verwirklichung sozialpädagogischer Ziele nutzbar und modifizierbar macht. Sie gehen an Schulen und bieten Workshops zu bestimmten Schwerpunkten an, bspw. Anti-Rassismus, Demokratie und Gewaltprävention, sie performen für Parteien mit anti-rassistischen Intentionen oder organisieren Ringvorlesungen und Bildungsveranstaltungen.

Langfristige Ziele der Gruppe sind Identitätsbildung, Stärkung von Sozialkompetenzen und das Gefühl, ein ernst zu nehmender und willkommener Teil einer Gemeinschaft zu sein. Die Gruppenleiter wollen den Kindern und deren Eltern auf Augenhöhe begegnen und die gemeinsame Zeit als Möglichkeit für Erfahrungs-und Kompetenzaustausch verstehen. 

 

Sarah Gräf / djo-Bundesverband
Alexander Wassilenko / Flowjob

 

Kontakt: 

www.flowjob.jimdo.com
Tel: 0176/ 726 32 126
E-Mail: flowjobtribe@googlemail.com

Foto: Nadja Boltes