Deutsch-ukrainische Partnerschaft aufbauen!

Ein Interview mit Liudmyla Baranets, Referentin für Internationales der DJU-Deutsche Jugend in der Ukraine. 

2014 konnte für das neu gestartete Internationale Hospitationsprogramm eine Partnerschaft mit der DJU-Deutsche Jugend in der Ukraine initiiert werden. Liudmyla Baranets, Referentin für Internationales bei der DJU, und somit auch direkte Ansprechpartnerin für das Hospitationsprogramm, beschloss kurzerhand sich mit einer eigenen Hospitation in Deutschland ein Bild von dem Programm aus nächster Nähe zu machen. Sie hospitierte für zwei Monate beim djo-Landesverband Sachsen-Anhalt in Halle. Von ihren Erwartungen und Erlebnissen berichtete Liudmyla in einem Interview mit der ehemaligen Koordinatorin des Hospitationsprogramms auf deutscher Seite, Lea Haßkamp. 

 

Du bist jetzt seit eineinhalb Monaten in Deutschland. Mit welcher Motivation bist du hergekommen? Was hast du dir im Vorfeld der Hospitation versprochen und erhofft und inwiefern wurden diese Erwartungen erfüllt?

Meine Reisen nach Deutschland sind für mich aus verschiedenen Gründen immer wichtig: Der erste ist, meine Sprachkenntnisse zu verbessern und zweitens möchte ich die deutsche Kultur und den richtigen Alltag vertieft erleben. Nicht zuletzt wollte ich Jugendarbeit in Deutschland kennenlernen und insbesondere Kontakt zu deutschen Jugendorganisationen als mögliche Partner für zukünftige gemeinsame Projekte herstellen.

Bei der Zukunftswerkstatt INTEGRATION in Ahlbeck, die von der Bundesintegrationsreferentin Johanna Bontzol organisiert wurde, konnte ich wichtige Kontakte für die Zusammenarbeit zwischen der djo – Deutsche Jugend in Europa und der DJU knüpfen. Es war toll, dass ich während meiner Hospitation an dieser Veranstaltung teilnehmen konnte!

Was habe ich mir erhofft? Diese zwei Monate effizient zu nutzen! Ich muss sagen, dass ich in Halle wirklich eine schöne und produktive Zeit hatte. Alles, was wir geplant hatten, konnten wir auch umsetzen. Selbst die Büroarbeit im djo-Landesverband Sachsen-Anhalt war glücklicherweise nicht langweilig! Dank meiner Betreuerin, Anne Hafenstein, habe ich viel dazugelernt und ihre offene und freundliche Arbeitsweise hat dabei viel geholfen. Sie ist eine Spitzenmanagerin und Jugendbildungsreferentin, die Aufgaben gut erklären kann, sehr verantwortlich und hilfsbereit ist. So konnte ich auch meine Fähigkeiten bei den Abrechnungen ausbauen, was im Bereich Jugendarbeit sehr angesagt und gefragt ist.

 

Welche Aufgaben konntest du in deiner Aufnahmeorganisation übernehmen?

Ich hatte die Möglichkeit, bei der Beantragung von Projekten mitzuhelfen. Es ist mir nicht immer leicht gefallen, dieses auf Deutsch zu tun. Ich war mir nicht sicher, ob ich die Ideen, die ja von anderen Menschen stammten, hundertprozentig richtig wiedergeben konnte. Aber diese Tätigkeit war sehr hilfreich für mich, um meine Sprachkenntnisse zu vertiefen. Es ist natürlich einfacher, seine eigenen Ideen in Worte zu fassen und zu präsentieren, aber ein guter Jugendbildungsreferent muss auch bereit sein, Jugendliche in ihren Vorhaben zu unterstützen. Diese Fähigkeit will ich weiter entwickeln und in unserer Organisation einbringen.

Nach dem kleinen Workshop „Wie sieht dein Deutschland aus“, den wir in Halle für eine Jugendgruppe durchgeführt haben, konnte ich sicher sagen, dass ich diese Materialien und das Wissen mit nach Hause bringe und das Gleiche für Spätaussiedler im Zentrum der deutschen Kultur „Wiedergeburt“ im November organisieren werde.

 

Was waren deine Highlights?

Ich hatte vor der Hospitation die Idee, ein kleines Projekt durchzuführen. Dies war das Projekt für verhaltensauffällige Jugendliche in Halle, „Wie sieht Dein Deutschland aus“. Es handelte sich um Identität, Freizeitgestaltung und Selbstbestimmung. Mit Teilnehmenden haben wir verschiedene Themen bearbeitet. Methodisch war alles so ausgerichtet, dass es keine ersichtlichen Aufgaben gab; es sah alles so aus, als ob man an einem Spiel teilnimmt. Auf diese Weise hatten die Jugendlichen viel Spaß daran, Fragen und Themen wie „Was ist für Dich Deutschland und deine Identität?“, Deutschland, Ukraine, Länder und Heimat zu bearbeiten. Mithilfe dieses Projektes konnte ich meine fachliche Kompetenz in der praktischen Jugendarbeit erweitern und Jugendliche aus Deutschland besser kennenlernen.

 

Erzähl uns von deiner Entsendeorganisation, der Deutschen Jugend in der Ukraine. Was sind deine Aufgaben dort? Welche Ähnlichkeiten gibt es zur Organisationsstruktur und Themen mit der djo?

Die DJU „Deutsche Jugend in der Ukraine e.V.“ wurde 2001 gegründet und koordiniert die Arbeit mit Jugendlichen mit deutschem Hintergrund. Zu der Organisation gehören auch alle, die sich für die deutsche Kultur, Sprache und Geschichte interessieren. Zu den Aufgaben gehören die Entwicklung der ukrainisch-deutschen Partnerschaft, die Integration Jugendlicher mit deutschem Hintergrund in der Ukraine sowie die Förderung der deutschen Kultur und Sprache. Die Projekte der DJU werden von der Regierung Deutschlands, der Wohltätigkeitsstiftung „Gesellschaft für Entwicklung“, dem ukrainischen Ministerium für Jugend und Sport und von anderen Partnerorganisationen gefördert. Bisher hat der Verband mehr als 30 binationale Projekte für die ukrainische und deutsche Jugend organisiert, unter anderen die Winterakademien, Audiokurse, Radrennen der europäischen Partnerschaft, ein Videojournal und Hörbücher.Ich bin Ansprechpartnerin für internationale Arbeit des Verbandes sowie ehrenamtliche Projektmanagerin im Bereich der Jugendarbeit.

Die Themen der djo und der DJU sind sich sehr ähnlich. Obwohl die Hauptaufgabe unseres Verbandes die Förderung der deutschen Kultur und Sprache in der Ukraine ist, sind unsere Ziele bezüglich der Jugendarbeit identisch. Was unsere Organisationsstruktur angeht, hat die DJU eine Doppelstruktur: den DJU-Vorstand mit dem Sitz in Kiew und Jugendliche und Jugendgruppen in der ganzen Ukraine verteilt.

 

Warum glaubst du, ist ein Austausch im Bereich Jugendarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine wichtig? Was können wir voneinander lernen?

Wenn wir eine gute deutsch-ukrainische Partnerschaft aufbauen möchten, müssen wir uns zuerst gut kennenlernen und auch voneinander lernen. Unsere Jugend ist unsere Zukunft, die durch den Austausch diese wichtigen Erfahrungen und Kenntnisse sammelt, die sie später in der Jugendarbeit selbst anwenden können.

Es gibt einige Besonderheiten und Unterschiede, die man unbedingt wissen muss, kultureller sowie inhaltlicher Art. In Deutschland muss alles immer sehr geplant sein, die Ukrainer sind da flexibler. Zudem gibt es in Deutschland spezifische Zielgruppen in der Jugendarbeit, mit denen man anders arbeitet als bei uns.

 

Inwiefern ist Jugendarbeit in der Ukraine durch die aktuelle politische Krise beeinträchtigt. Was bedeutet sie für die Jugend des Landes?

Wir haben viele Jugendliche im Osten und Süden des Landes, besonders in Donezk und auf der Krim. ich hoffe nur, dass uns unser DJU-Einheitsgefühl hilft, eine interne Krise zu vermeiden. Wir sind eine große deutsch-ukrainische Familie, in der man die Meinungen der Anderen und regionale Unterschiede akzeptiert. Ich weiß, dass unsere Mitglieder in Kiew und in anderen Städten der Ukraine unserer Jugend aus dem Osten gerne helfen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere geplanten DJU-Projekte auch einen Beitrag dazu leisten können, unsere Jugendlichen zu unterstützen und ihnen zu zeigen, dass die Jugend aus verschiedenen Regionen des Landes vereint sein sollten, egal ob sie Deutschland, Russland oder die Ukraine als ihre Heimat bezeichnen. Von großer Bedeutung ist auch, dass viele von den Jugendlichen ohnehin schon Doppelidentitäten haben. Der deutsche Hintergrund und die Freundschaft spielen eine große Rolle für diese Einheit. Wir müssen durch diese Krise kommen und wir machen das zusammen!

 

Dieses Jahr haben wir auf Grund der unstabilen Lage keine Hospitanten aus Deutschland entsendet. Aber im nächsten Jahr ist es auf jeden Fall geplant. Was erwartet die Hospitanten in eurer Organisation?

Wir sind sehr froh, wenn wir nächstes Jahr auch Hospitanten bekommen. Die Aufgaben können unterschiedlich sein. Von Büroarbeit bis zur Unterstützung der Spracharbeit und Projektmanagement, also, alles, was Jugendarbeit umfasst. Wir sind immer für neue Ideen und Bildungsaustausch offen!

 

Liudmyla Baranets

Hospitantin Internationales Hospitationsprogramm

djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.