Ein Sprachcamp in der schönen Ukraine

Ein Erfahrungsbericht von Anna Schneiders über ihre Hospitation in Mukatschewo, Ukraine im Sommer 2015 

Mein Aufenthalt in der Ukraine dauerte fünf Wochen, mit den Stationen Kiew, Sprachlager in Mukatschewo und einem Besuch von Lemberg (der größten Stadt im Westen). Die Besonderheit - mit mir ist noch eine zweite deutsche Hospitantin mitgefahren. Gemeinsam begaben wir uns auf die Reise! 

Die ersten Tage verbrachten wir in Kiew. Hier lernten wir das Informations- und Bildungszentrum und das Zentrum der deutschen Kultur „Widerstrahl“ kennen. Dort erledigten wir kleine Übersetzungsjobs und nahmen an den Vorbereitungen fürs Sprachlager teil. Die Betreuung von ukrainischer Seite aus war einfach spitze. Ich hatte vorher nicht erwartet, dass man sich so sehr um mich kümmert: ich wurde beispielsweise zu Terminen abgeholt und bekam sogar eine Telefonkarte spendiert. 

Anschließend fuhren wir von Kiew zusammen mit 180 am Sprachlager teilnehmenden Kindern mit dem Nachtzug nach Mukatschewo. Das Sprachlager war sehr durchorganisiert und zugleich total chaotisch! Es existierte zum Beispiel ein offizieller Programmplan: Doch stellte ich schnell fest, dass sich dieser ständig änderte. Die Änderungen wurden dann gerüchteweise auf Ukrainisch ausgetauscht ;). Im Sprachlager leiteten wir unsere eigene Gruppe von 13 Jugendlichen (B2 Sprachniveau), die wir zu unserer Überraschung auch selbst unterrichten durften.

Das Leben im Camp begann früh mit der Morgengymnastik und endete für die Kinder mit dem abendlichen Präsentationsprogramm. Zusätzlich zu den Sprachunterricht, war ich oft damit beschäftigt, mit der Gruppe verschiedene Präsentationen wie Tanzen, Theater, Gedichte oder Kostüme vorzubereiten, was uns allen viele Freude bereitete. Nachmittags fanden verschiedene Workshops statt: Ich leitete den Kunstworkshop. Mit meinen „grandiosen“ Sprachkenntnissen (ca. 10 Wörter Ukrainisch und ca. 10 russische Sätze) habe ich auch mit den jüngeren Kindern, die kein Deutsch sprachen, gebastelt. Und dabei stellte ich fest: Irgendwie geht es immer! Wozu hat man schließlich seine Hände und Füße… Nur einmal stand ich komplett alleine und mit viel zu vielen Kindern da. Da habe ich spontan aus meiner Gruppe eine Jugendliche als Hilfslehrerin angestellt. Sie war echt klasse und erzählte mir später, dass sie mal Lehrerin werden wolle. 

Die Kinder fanden eine unglaubliche Freude daran, ihre neu erworbenen Deutschkenntnisse direkt in der Praxis, d.h. an mir auszuprobieren. Jedes Mal, wenn ich durchs Lager gelaufen bin, wurde ich von allen Seiten mit „Hallo“ und „Wie geht es dir“ begrüßt. Manchmal auch ganz ernst mit „Guten Abend“ - und es war morgens :). 

Welche wichtigen Kernkompetenzen man für so ein Sprachlager braucht? Definitiv Sinn für Humor und Flexibilität! Weiterhin - die Fähigkeit, den Schlafmangel zu überleben: Während der ganzen Sprachlagerzeit hat man eigentlich nur sehr wenig Zeit für sich selbst. Dazu kommt noch die Fototauglichkeit: Selfies mit den „Deutschen“ waren sehr beliebt! Und endlich, wenn ihr keine Sprachkenntnisse habt – kann man immer gut improvisieren! 

Die letzte Woche konnten wir uns in Lemberg vom Sprachlager etwas erholen und auf eigene Faust die Stadt erkunden. Ich sammelte viele weitere Eindrücke von interessanten Sanitäranlagen, einer wunderschönen Innenstadt, dem ukrainischen Studentenleben, bis hin zu mörderischen Fahrradtouren. 

Mein Fazit: Dieses Land und seine Leute zu besuchen kann ich nur jedem empfehlen! 

 

Anna Schneiders                                                                                                                                                               Hospitantin Internationales Hospitationsprogramm                                                                                                     djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.