Goldener Herbst des russischen Udmurtien

Ein Erfahrungsbericht von Maria Härter über ihre Hospitation in Izhevsk, Russland im Herbst 2016

Meine sechswöchige Hospitation begann im September 2016 in einer Stadt namens Izhevsk, die als Hauptstadt der Udmurtischen Republik in Russland bekannt ist und wo mehr als eine halbe Millionen Menschen leben. Eine Industriestadt über die ich bis zu meiner Reise nie was gehört hatte. Russland ist beim genauen betrachten viel mehr als nur Moskau, Sankt Petersburg und Sibirien. Auch wenn die Russen den höchsten Anteil der Bevölkerung darstellen, so sind in den einzelnen Regionen Russlands noch viele andere Völker beheimatet. Dazu gehören auch die Udmurten und die Russlanddeutschen. Über ihre Geschichte und Traditionen durfte ich während meiner Hospitation mehr lernen und gleichzeitig sehen, wie vielfältig doch dieses große Land ist. 

Ich machte meine Hospitation bei der Udmurtischen Republikanischen Gesellschaftlichen Organisation der Russisch-Deutschen Jugend „Jugendheim“ – oder wie wir es auch kurz nannten: „JuHei“. Diese Jugendorganisation entstand dort im Jahre 1997 und soll einen aktiven Begegnungsort für die Jugend der dort ansässigen Russlanddeutschen bieten, aber auch anderen Interessenten der deutschen Kultur, Traditionen und Sprache eine Bühne für den gemeinsamen Austausch bieten. Neben dieser Jugendorganisation gab es noch eine weitere Organisation namens „Wiedergeburt“ für Erwachsene, die das gleiche Ziel verfolgte und im gleichen Haus mit meiner Jugendorganisation Tür an Tür zusammengearbeitet hat. 

Meine Aufgabe lag in erster Linie darin, die Aktivitäten und Angebote der Jugendorganisation zu unterstützen und mitzugestalten. Dazu gehörte u.a. die allwöchentliche Unterstützung des deutschen Sprachunterrichts in der Organisation, in dem ich am Ende jeder Stunde eine thematische Diskussion angeregt habe. Außerdem leitete und organisierte ich den deutschsprachigen Diskussionsclub, der für mich jede Woche eine bunte Mischung an Interessenten und Themen mit sich brachte. Ab und zu kümmerte ich mich um die Bastelstunden der Kinderschule („Woskreska“), wo die Kinder die deutsche Sprache lernten und sich gleichzeitig kreativ austoben konnten. 

Während meiner Hospitation standen besonders zwei Projekte im Vordergrund meiner Arbeit. Das erste Projekt umfasste die Organisation des alljährigen deutschen Schulwettbewerbs in einer linguistischen Schule, bei dem die Schüler gemeinsam und kreativ themenbezogene Aufgaben erledigten. Wir haben uns das Thema „Deutsche Märchen und Sagen“ ausgesucht und ein Konzept entwickelt sowie die Vorbereitungen für die Umsetzung getroffen, wobei ich auch am Ende die deutsche Moderation des Schulwettbewerbes übernahm. Daneben führte ich in dieser Schule Unterrichtseinheiten auf Deutsch durch, in denen erzählt und diskutiert wurde. 

Das zweite Projekt beschäftigte sich mit der zeichnerischen und technischen Umsetzung des Animationsprojektes „Der Schuster und die kleinen Helfer“, das zu einem der russlanddeutschen Märchen gehört. Dabei gewann meine Organisation eine Ausschreibung und konnte daher eines der Märchen kreativ umsetzen. Dazu traf ich mich wöchentlich mit den anderen Ehrenamtlichen der Jugendorganisation, wo wir bastelten oder im Stile von Stopmotion die Figuren von einer Ecke in die andere bewegten. Die Krönung dieses Animationsprojektes bildete für mich die deutsche Audioaufnahme meiner Stimme als Märchenerzählerin,  die unserem Film nochmal eine persönliche Note verleite.   

Die Ausübung meiner Hospitationstätigkeiten beschränkte sich nicht nur auf die Jugendorganisation vor Ort, sondern umfasste auch die naheliegenden Kooperationspartner in den Städten Glasow und Wotkinsk. Dadurch kam ich mit vielen interessanten Menschen aus dem Bildungs- und Kulturbereich in Kontakt und konnte meine Arbeit auf einer breiten und vielfältigen Art und Weise gestalten. Dieser Austausch mit vielen unterschiedlichen Altersklassen und -gruppen stellte für mich während meiner Hospitation eine neue Erfahrung und gleichzeitig Herausforderung dar. Auf diese Weise konnte ich die Strukturen der Jugendarbeit in Russland kennenlernen, neue Kontakte knüpfen, meine Sprachkenntnisse verbessern und weitere Praxiserfahrungen im schulischen und außerschulischen Jugendaustausch sammeln. 

Meine Hospitation war ein guter Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit, sodass ich währenddessen viele Möglichkeiten wahrnehmen konnte, die Region, Kultur und große Gastfreundschaft der dortigen Menschen kennenzulernen. Der goldene Herbst, die leckere russische Hausmannskost und die schönen Parks bilden nur ein paar Erinnerungen meiner Zeit in Russland. Ich bin sehr glücklich und dankbar dafür, dass ich am deutsch-russischen Hospitationsprogramm teilnehmen durfte und meine dortige Aufnahmeorganisation mich so liebevoll und wie ein Familienmitglied bei sich aufgenommen hat. Dieser Bericht über meine einzigartige und wunderbare Hospitation in Izhevsk ist nur ein kleiner Teil der Geschichte über meine spannende Zeit und Erlebnisse dort, die mir sicherlich ein Leben lang in Erinnerung bleiben werden. Also bleibt nur noch zu sagen: Auf ein baldiges Wiedersehen, liebes Izhevsk!

 

Maria Härter
Hospitantin Deutsch-Russisches Hospitationsprogramm
djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.