Hospitation in der Türkei – Nur ein Abschied auf Zeit!

Ein Erfahrungsbericht von Maria Alexander über ihre Zeit bei der türkischen Jugendorganisation GO Muğla, Herbst 2014. 

Unter dem Motto „einander begegnen – gemeinsam lernen – zusammen arbeiten“ fand im Oktober 2014 zum ersten Mal das Internationale Hospitationsprogramm in Zusammenarbeit mit der türkischen Jugendorganisation GO Muğla statt. Tee mit dem Direktor, türkische Gastfreundschaft und engagierte Jugendarbeiter - dies sind nur einige der vielen Eindrücke, die unsere Hospitantin Maria während ihres Aufenthalts sammelte.


„Am 28. September begann für mich die große Reise von Hamburg in den Südwesten der Türkei – genauer gesagt nach Muğla, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Hier hatte ich die Chance, drei Wochen lang die Arbeit meiner türkischen Kollegen in der Jugendorganisation GO Muğla zu begleiten, um mehr über die internationale Jugendarbeit und die Lebenswelt von türkischen Jugendlichen zu erfahren. Somit wollte ich meine bisherigen Erfahrungen aus dem ehrenamtlichen Engagement in der interkulturellen Jugendarbeit, die ich u.a. während der Jugendleiterausbildung beim djo-Landesverband Sachsen e.V. sammelte, einbringen und weiterentwickeln. Nicht zuletzt stellte es eine hervorragende Möglichkeit dar, meine Türkischkenntnisse, die ich im Rahmen meines Studiums erworben habe, in der Praxis auszutesten.

 

Voller Erwartungen, aber auch voller Staunen wurde ich in Muğla willkommen geheißen und freute mich zunächst über die sommerlichen Temperaturen! Von Umut, einem Freiwilligen bei GO Muğla, wurde ich über den beeindruckenden Universitätscampus und später durch das wundervoll beschauliche Stadtzentrum geführt. Nach und nach lernte ich die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen der Jugendorganisation kennen, die mich stets freundlich bei allen Aufgaben unterstützten. Sogar vom Direktor für Jugend und Sport wurde ich bei einem Gläschen Çay, dem türkischen Schwarztee, empfangen! Neben der Vorbereitung und Durchführung eines kleinen Deutschkurses zählten einige organisatorische Tätigkeiten im Bereich der internationalen Projektkoordination zu meinen Aufgaben. Auch konnte ich an verschiedenen Teambesprechungen teilnehmen.

 

Das Herzstück meiner Hospitation bildete die deutsch-türkische Jugendbegegnung, die vom 7.- 14.10.2014 in Kooperation mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk IBB im nahegelegenen Köyceğiz stattfand. Die gesamte Woche drehte sich um das Thema „Inklusion von Menschen mit Behinderung“. Für die 25 Jugendlichen aus Dortmund und Muḡla standen viele Workshops, Aktivitäten und Ausflüge, wie Sitzvolleyball oder ein Spiel mit dem Basketballverein für Menschen mit Behinderung in Muğla, auf dem Programm. Nachdem ich hier zunächst für die Projektdokumentation verantwortlich war, konnte ich später die Leitung des Workshopvormittags übernehmen. Dabei sollte in sprachlich gemischten Gruppen über die Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen diskutiert und die Ergebnisse anschließend präsentiert werden. Auch im Rahmen der Organisation des deutschen Kulturabends konnte ich meine Fähigkeiten und Erfahrungen sehr gut einbringen und dennoch viel Neues dazulernen.

 

Ich habe auf diese Weise viele neue, positive Erfahrungen im Bereich der Internationalen Jugendarbeit gesammelt. Das Engagement und die Leidenschaft der türkischen Jugendarbeiter haben mich dabei sehr beeindruckt. Durch die kreative Förderung werden die ansässigen Jugendlichen vorbildlich zur Partizipation und Selbstorganisation angeregt. In besonderer Erinnerung werden mir aber die Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Aufmerksamkeit bleiben, die mir durch die Landsleute entgegengebracht wurde. Dank der Einladung von Freunden konnte ich die Zeit an den Wochenenden zum Reisen in die umliegenden Orte, wie Marmaris oder Denizli, nutzen und so das türkische Familien- und Alltagsleben hautnah miterleben. Problematisch gestalteten sich leider oft die Verständigung, da meine Sprachkenntnisse lediglich für „Smalltalk“ ausreichten, was in der Kürze der Zeit leider nicht aufzuholen war. Dennoch habe ich viele neue Kontakte gewinnen und Freundschaften schließen können. Und fiel der Abschied auch schwer, so nehme ich doch neues Interesse an internationalen Jugendprojekten und am Ausbau dieser Netzwerkarbeit sowie mehr Motivation für das Erlernen der türkischen Sprache mit zurück nach Deutschland. Und eines ist sicher - es gibt ein Wiedersehen!"

 

Maria Alexander

Hospitantin Internationales Hospitationsprogramm

djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.