Mein erster Aufenthalt im Ausland!

Ein Interview mit Viktorya Babayan aus Armenien über ihre Hospitation beim Kulturzentrum GOROD in München, Sommer 2016

Viktorya Babayan, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Organisation „World Vision Armenia“ sowie der Waldorfschule „Aregnasan“, hospitierte den ganzen Sommer 2016 beim Kulturzentrum GOROD in München.  Von ihren Hospitationserfahrungen berichtet Viktorya in einem Interview mit der Koordinatorin des Internationalen Hospitationsprogramms auf deutscher Seite, Olga Dryndova (das Interview wurde in Berlin auf Russisch durchgeführt).  

 

Hallo Vika, Herzlich Willkommen in der  djo-Geschäftsstelle! Was sind Deine ersten Eindrücke von Deutschland nach einem Monat der Hospitation?  

Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen und fühlte mich seit den ersten Tagen schon wie ein richtiges Teammitglied!  Das erste Projekt, an dem ich teilgenommen habe, hat mich sofort beeindruckt: das war ein Sommerlager für russisch- und deutschsprachige Kinder bis 14 Jahren zum Thema „Magie“. In der ersten Woche habe ich auch eine Jugendgruppe aus der Waldorfschule „Aregnasan“ aus Armenien, wo ich auch selbst studiert habe, betreut. Sonst ist Vieles für die kommenden zwei Monate noch geplant, u.a. noch zwei internationale Sommerakademien. Ich habe auch Glück gehabt, dass ich beim GOROD nicht die einzige Freiwillige bin, es gibt hier junge Menschen aus der Ukraine, Russland und aus vielen anderen Ländern – wir sind ein gutes Team! 

 

Wie bist Du zu Jugendarbeit in Armenien gekommen? 

Oh, das hat bei mir sehr locker angefangen. Und zwar damit, dass wir gebeten wurden, wenn Lehrer krank waren, die Schulkinder zu betreuen. Damals habe ich verstanden, dass Kinder- und Jugendarbeit was für mich wäre. Kurz danach war ich schon Jugendleiterin in unterschiedlichen Kinderprojekten sowohl in der Schule, als auch bei anderen Organisationen. Wir haben auch mehrere wohltätige Konzerte und Aktionen für behinderte Kinder organisiert. 

 

Warst Du auch bei internationalen Projekten dabei?

Nein, das waren alles nur nationale Projekte – mit dem Hospitationsprogramm habe ich zum ersten Mal die Möglichkeit bekommen, auch bei internationalen Aktivitäten zu helfen. Darüber hinaus ist es für mich überhaupt mein erstes Mal im Ausland! Und sofort für drei Monate – davor hatte ich schon etwas Angst, muss ich sagen. Aber meine Sorgen waren umsonst! Ich muss auch gestehen, ich hatte überhaupt keine Vorstellungen von Europa oder Deutschland vor der Hospitation und war deswegen auch nicht enttäuscht. Wobei einen Unterschied gibt es schon zu Armenien: wenn man hier durch die Straßen läuft, sieht man sofort, dass alle ihren Raum brauchen und ihr eigenes Leben führen. In Armenien denke ich immer, dass alle Menschen zusammengehören und sogar meine Verwandten sind, ich habe halt nur ihre Namen vergessen! 

 

Sieht für Dich die Jugendarbeit hier etwas anders aus als zu Hause? 

Der Maßstab ist anders. Alles international, viele interessante Konzepte für Aktivitäten mit Kindern  – man kann sofort sehen, dass sie begeistert sind! Hier habe ich das Gefühl, dass das Kind im Zentrum steht. Ich mag es auch, dass Kinder mit Migrationshintergrund hier so viele Möglichkeiten haben, dass es Angebote für sie sowohl auf Deutsch als auch auf Russisch gibt! So können sie sich tatsächlich aktiv und integriert fühlen. Meine Zukunft sehe ich also auf jeden Fall in der Jugendarbeit! 

 

Viktorya Babayan
Hospitantin Internationales Hospitationsprogramm
djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.