Nach PEGIDA: Öffentlichkeit nutzen für Diskurse in einer Einwanderungsgesellschaft

05.02.15

Die bundesweiten PEGIDA-Demonstrationen bringen Bürger_innen, Politiker_innen und Medien dazu, sich für ein buntes und heterogenes Deutschland stark zu machen und sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung zu Positionieren. Die djo-Deutsche Jugend in Europa fordert die Einbeziehung der betroffenen Minderheiten in neu geöffnete Dialoge und ein klares Bekenntnis der Politik und Gesellschaft zu Deutschland als Einwanderungsgesellschaft.

Seit November 2014 demonstrieren Woche für Woche zehntausende Menschen in Deutschland für oder gegen die PEGIDA-Bewegung. Die Mehrzahl der Demonstrant_innen tritt für ein buntes Deutschland ein, in dem Migrant_innen und Geflüchtete Willkommen geheißen werden. Diese Positionierung einer überwältigenden Anzahl von Bürger_innen, Politiker_innen und Meinungsmacher_innen ist wichtig, kann aber nur ein erster Schritt sein. Es braucht jetzt einen positiven Gegenentwurf zu den nationalistischen Tönen der PEGIDA. Deutschland ist ein Einwanderungsland und offen für vertriebene, zugewanderte und geflüchtete Menschen. Dieses Signal müssen auch Jugendverbände setzten, indem sie diese Gruppen in ihre Jugendarbeit mit einbeziehen. Dieses Signal muss aber auch die Politik setzen indem sie diskriminierende Regelungen konsequent abbaut und jugendlichen Geflüchteten die Partizipation am  gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Die djo-Deutsche Jugend in Europa setzt sich seit 1951 für vertriebene, zugewanderte und geflüchtete junge Menschen ein. Zum Leitbild unserer Jugendverbandsarbeit gehört neben einem toleranten und solidarischen Zusammenleben auch die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen. In derzeitigen Einwanderungs- und Integrationsdebatten, die durch die PEGIDA-Demonstrationen wieder an öffentlichem Interesse gewinnen, werden die eigentlich Betroffenen jedoch immer wieder übergangen. Diejenigen, die einen Dialog fordern, vergessen meist Migrant_innen & Geflüchtete mit an den Tisch zu holen. So bleibt die Debatte selbstreferentiell – ein Diskurs der Mehrheitsdeutschen über ihre Minderheiten hinweg.

Die Heterogenität Deutschlands als Einwanderungsland ist seit Jahrzehnten Quelle für eine kulturell vielfältige und bunte Jugendverbandsarbeit. Die Eltern- und Großelterngeneration kam in den 50er Jahren, 12 Millionen deutschstämmige Vertriebene wurden in Deutschland aufgenommen und integriert. In den 50er, 60er und 70er Jahren kamen hunderttausende damalige Gastarbeiter_innen aus Italien, Spanien, Griechenland, Jugoslawien und der Türkei nach Deutschland und später 100.00 Spätaussiedler_innen und Familiennachzügler_innen. Deutschland ist ein Land, das von Migrant_innen, Vertriebenen und Geflüchteten mit aufgebaut wurde!

Heute bestimmt allerdings die prekäre Lebenssituation von geflüchteten Menschen, mehrheitlich Jugendliche, das mediale Bild von Zuwanderung: Überfüllte Massenunterkünfte, ein Leben unter dem Existenzminimum. Die djo-Deutsche Jugend in Europa setzt sich für die sozialen, politischen und kulturellen Rechte von Geflüchteten und Vertriebenen ein und stützt sich in ihren Forderungen auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Genfer Flüchtlingskonvention und der UN-Kinderrechtskonvention.

Zu den Forderungen der djo-Deutsche Jugend in Europa & des DBJR

Für Fragen und weitere Auskünfte:

Hetav Tek, Bundesvorsitzende - hetav-tek@djo.de