Positionen Bundesjugendtag 2018

Für den 63. Bundesjugendtag der djo-Deutsche Jugend in Europa trafen sich die Delegierten in diesem Jahr vom 16. bis 18.03.2018 in Duderstadt. Neben der Wahl eines neuen Schatzmeisters und Diskussionen zur Arbeit im letzten Jahr verabschiedeten die Delegierten am letzten Sitzungstag gleich drei Positionspapiere. Diese wurden am Vortag in Workshops gemeinsam ausgearbeitet und diskutiert. Themen waren allgemeine Rahmenbedingungen für die Jugendverbandsarbeit mit jungen Geflüchteten, die Struktur der djo-Deutsche Jugend in Europa und den daraus resultierenden Chancen und Forderungen sowie eine Positionierung gegen Rassismus und Diskriminierung. 

 

 

KONTAKT

djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.
Kuglerstr. 5, 10439 Berlin
Tel:  030/446 77 8-0
Internet: info@djo.de

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Gemeinsam in Vielfalt!

Bewährte Strukturen akzeptieren – Strategien für interkulturelle Öffnung entwickeln

Die djo-Deutsche Jugend in Europa ist ein Dachverband von und für Selbstorganisationen junger Vertriebener, (Spät-)aussiedler_innen und Migrant_innen. Unsere Mitgliedsorganisationen sind sowohl djo-Landesverbände als auch Bundesgruppen, also bundesweit tätige Jugendverbände, mit eigenen föderalen Strukturen. Im djo-Bundesverband sind beide Säulen des Verbands – Landesverbände und Bundesgruppen – gleichberechtigt repräsentiert. 

Diese Strukturen haben es unserem Verband im Zuge der interkulturellen Öffnung ermöglicht bundesweite Migrant_innenjugendselbstorganisationen (MJSO) erfolgreich einzubeziehen, zu fördern und zu gleichberechtigten Akteuren der Jugendverbandsarbeit zu etablieren. Wir leisten durch unsere Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit.

Wir fordern von allen Jugendministerien und zuständigen Behörden sowie von allen Landesjugendringen eine klare Anerkennung und Förderung unserer Mitgliedsorganisationen im Rahmen ihrer Mitgliedschaft in der djo-Deutsche Jugend in Europa. 

Im Zuge der Interkulturellen Öffnung und der Anerkennung unserer MJSO auf Bundes- wie auf Landesebene erleben wir immer wieder, dass diese Form der Selbstorganisation durch Dritte in Frage gestellt und als Argument für einen Ausschluss aus der Strukturförderung genutzt wird. Dies erschwert unsere Arbeit, hemmt die weitere Entwicklung der MJSO und verhindert den gleichberechtigten Zugang unserer MJSO zu Fördermitteln.  Es gehört zum satzungsgemäßen Eigenleben der Jugendverbände frei zu entscheiden über welche Strukturen sie sich organisieren und ihre Interessen vertreten werden.

Neue Aufgaben brauchen neue Mittel. MJSO dürfen nicht in Konkurrenz zu etablierten Jugendverbänden um knappe Ressourcen gestellt werden. Damit sie auf Augenhöhe, gleichberechtigt mit anderen Jugendverbänden ihre Interessen vertreten können, braucht es auf Landes- wie auf Bundesebene Fördersysteme, die sie in ihrem Strukturaufbau auskömmlich und nachhaltig unterstützen. Bewährte Modellprojekte auf Bundes- sowie Landesebene sollten geprüft und gegebenenfalls übernommen werden.

 

Einstimmig beschlossen beim 63. Bundesjugendtag, 16.-18.03.2018 in Duderstadt.

 

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Junge Geflüchtete in Deutschland

Ankommen, Perspektiven aufbauen und Teilhabe gestalten

Die djo-Deutsche Jugend in Europa wurde 1951 als Deutsche Jugend des Ostens gegründet. Der Verband half Kindern und Jugendlichen, die als Folge des Zweiten Weltkriegs als Vertriebene und Geflüchtete ihre Heimat verloren hatten, sich in die westdeutsche Gesellschaft einzuleben, ihre Kriegserlebnisse zu verarbeiten, ihre kulturelle Identität zu bewahren und ihre jugendpolitischen Ziele durchzusetzen. Auch heute setzen wir uns für die sozialen, politischen und kulturellen Rechte von geflüchteten Kindern und Jugendlichen ein.

Junge Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, haben mitunter dramatische und traumatische Erfahrungen hinter sich. Angekommen in Deutschland brauchen sie ein Gefühl von Sicherheit, um diese Erfahrungen verarbeiten und in eine sichere Zukunft blicken zu können. Wir fordern deshalb die Ermöglichung einer konkreten Bleibeperspektive, eine schnelle Fallbearbeitung und eine umfassende individuelle Betreuung anstatt von Kettenduldungen und der Stigmatisierung als „illegal“. Damit einher geht die Forderung, die politisch motivierte Charakterisierung bestimmter Herkunftsländer als „sicher“ zu beenden.

Aufenthaltsrechtliche Verfahren sind meistens auf die Eltern konzentriert und die Regelungen des Aufenthalts- und Asylverfahrensrechts stehen im Widerspruch zur UN-Kinderrechtskonvention. Das Kindeswohl muss hier Vorrang haben. Kinder und Jugendliche müssen – auch in den Regelungen des Aufenthalts- und Asylrechts – als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Wir fordern, dass ihre Integrationsbemühungen (wie Sprachkenntnisse, ehrenamtliches Engagement, Ausbildungsverhältnisse, Fürsprache des sozialen Umfeldes etc.) im Asylverfahren berücksichtigt werden.

Der bisherige Bildungsweg der Kinder und Jugendlichen darf nicht ausgeblendet werden. Um selbstbestimmte Perspektiven für die eigene Zukunft zu ermöglichen, brauchen junge geflüchtete Menschen darüber hinaus Zugang zu Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten wie Kita, Schule, Ausbildung, Studium etc. Für gleichberechtigte Teilhabe, Selbstorganisation und persönliche Entwicklung müssen jungen Geflüchteten unabhängig ihres Aufenthaltsstatus die gleichen Rechte wie gleichaltrigen Ansässigen eingeräumt werden. Das SGB VIII soll dazu uneingeschränkt auch für junge Geflüchtete gelten.

Mit Blick auf die Kinder- und Jugendhilfe ist es dringend notwendig, jungen Geflüchteten die gleichberechtige und vollumfängliche Teilnahme an Freizeitaktivitäten und weiteren außerschulischen Bildungsangeboten zu ermöglichen. Dazu gehört insbesondere auch der Internationale Jugendaustausch. Um das zu erreichen, fordern wir die vollständige Abschaffung der Residenzpflicht sowie die Möglichkeit, unabhängig vom Aufenthaltsstatus im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe als Jugendgruppe im In- und Ausland zu reisen.

Die djo-Deutsche Jugend in Europa möchte nicht nur die Willkommenskultur, sondern vor allem junge Geflüchtete in ihrem Recht auf Teilhabe und selbstbestimmte Freiräume stärken. Dazu unterstützen wir beispielsweise eigene Interessenvertretungen. Wir setzen uns dafür ein, dass alle jungen Menschen in Deutschland mit ihren Anliegen gehört werden und ihre Kompetenzen und Erfahrungen einbringen können.

Viele der geflüchteten jungen Menschen, die in der Jugendverbandsarbeit aktiv sind, haben ihren Zugang zu diesen Angeboten durch Migrant_innenjugendselbstorganisationen (MJSO) erhalten. Durch gemeinsames sprachliches und kulturelles Wissen sowie die geteilte Erfahrung eigener oder familiärer Migrationsgeschichten agieren die MJSO oft als erste Anlaufstelle. Um das Recht auf selbstbestimmte und selbstgestaltete Freiräume zu sichern, fordern wir deshalb zusätzliche finanzielle Mittel, um die Strukturen der MJSO zu festigen und zu professionalisieren.

 

Einstimmig beschlossen beim 63. Bundesjugendtag, 16.-18.03.2018 in Duderstadt.

 

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Europapolitische Haltung gegen Ausgrenzung und Rassismus!

In jedem Jahr veranstalten wir diverse internationale Jugendbegegnungen, Ferienfreizeiten und Austauschprojekte mit Menschen verschiedener Kulturen aus ganz Europa und darüber hinaus. Diese Angebote und damit unsere Teilnehmenden profitieren maßgeblich von den vielen Kooperationen, Förderungen und Möglichkeiten eines gemeinsamen Europas und machen es erlebbar. Auf diese Weise lernten sich Menschen verschiedener Herkunftsländer und Kulturkreise kennen, schlossen Freundschaften und entwickelten internationale Kooperationen, die seit vielen Jahren anhalten. Wir möchten dies nicht missen! Wir als Jugendverband der djo-Deutsche Jugend in Europa stehen daher für ein geeintes und offenes Europa und stellen uns klar gegen jegliche Form von Ausgrenzung, Hass und Rassismus!

 

Einstimmig beschlossen beim 63. Bundesjugendtag, 16.-18.03.2018 in Duderstadt.