Tatarisches Russland entdecken!

Ein Erfahrungsbericht von Anna Göltenboth über ihre Hospitation beim Deutschen Haus der Republik Tatarstan in Kazan, 2013/2014. 

Vom Hospitationsprogramm habe ich 2013 über einen Email-Verteiler erfahren. Ich hatte große Lust auf eine Tätigkeit in Russland und bewarb mich sofort.  2007/2008 war ich schon mal studienmäßig in Kazan gewesen und entschied mich nochmals für ca. drei Monate dorthin zu fahren. So war es für mich interessant zu erleben, wie sehr sich die Stadt in der Zwischenzeit verändert hatte. Ich war vorher schon in der Jugendarbeit tätig und war gespannt darauf, in diesem Gebiet nun auch in Russland aktiv zu werden.

Ich bin mit „Turkish Airlines“ über Istanbul nach Kazan geflogen, wo ich um 3 Uhr nachts abgeholt wurde. Noch am Abend desselben Tages hospitierte ich bei Martha, der Leiterin des Jugendklubs, im Deutschunterricht. Sie hat klare Vorstellungen von ihrem Unterricht, ich habe mich aber gut mit ihr verstanden. Nach einigen Tagen unterrichtete ich alle drei Gruppen: A1, A2 und B1. Sie fanden alle abends jeweils 2x in der Woche statt. Neben Studenten waren dort auch Berufstätige. Die erste Gruppe habe ich gleich ins Herz geschlossen und sie mich.

Nun war ich sehr gespannt auf meine Gastfamilie, zu der wir nach dem Kurs fuhren. Einige Zeit vorher hatte ich bereits mit meiner Gastgeberin  Kontakt aufgenommen und sie schien mir schon nach der ersten Email unglaublich nett zu sein. Und so war es auch: Ein ausgesprochen nettes tatarisches Ehepaar, beide Manager von Beruf. Ich fühlte mich sofort sehr familiär mit beiden. Das Ehepaar wohnte in einem topmodernen mehrstöckigen Haus mitten im Zentrum der Stadt, so dass ich zu Fuß zum Unterricht laufen konnte. Die beiden waren immer sehr beschäftigt, aber wir haben hin und wieder etwas zusammen unternehmen können. Manchmal habe ich auch am Sonntag selbständig kleine Touren in die Umgebung Kazans gemacht.

Neben dem Deutsch-Unterricht hätte ich auch gern beim Filmklub am Samstagabend mitgewirkt, aber er überschnitt sich mit meinen Deutschkursen am Samstag. Martha plante ein Oktoberfest und ich habe das intensiv mit ihr zusammen vorbereitet. Wir haben Oktober, Halloween, St. Martin und Erntedank zu einem Fest vereinigt. Dort trug ich das erste Mal in meinem Leben eine deutsche Tracht. Außerdem habe ich an der deutschen Theatergruppe 1 - 2x die Woche abends teilgenommen. Im November habe ich eigene Veranstaltungen angeboten, wie Interkulturelle Kommunikation, was bei den Studenten erstaunlicherweise noch sehr unbekannt war, und einen Filmabend. Es ist also beinahe alles, was man am deutschen Haus macht in den Abendstunden und am Wochenende. Samstag ist der Hauptunterrichtstag.

Da es mir gut in Kazan gefallen hatte, beschloss ich im Sommer 2014 noch mal nach Kazan zu fahren. Diesmal wohnte ich bei einer anderen Gastfamilie, die aber in erheblicher Entfernung von Kazan wohnte. Ich zog später zu einer Pensionärin in einem russischen Holzhaus mit einer wundervollen Banja und einer liebenswürdigen Siamkatze ins tatarische Viertel um.

Im Mai 2014 habe ich eine Stadtralley mit Deutschlandbezug angeboten, was sehr gut bei den Studenten ankam. Ein Highlight am deutschen Haus ist der regelmäßig durchgeführte Schönheits- und Begabungswettbewerb, genannt „Perlenkette“, der viele Einsatzmöglichkeiten für deutsche Hospitanten und Hospitantinnen bietet. Ich war im Organisationsteam und habe viel für diese Veranstaltung recherchiert sowie eigene Vorschläge eingebracht, z.B. einen Fotokonkurs zu Zitaten deutscher Denker. Außerdem habe ich eine Etappe zu deutschen Hochzeitsbräuchen vorbereitet. Gerne hätte ich noch mehr Ideen eingebracht. Bei diesem Aufenthalt im Sommer habe ich noch ganz andere Seiten Kazans kennen gelernt.  

Beide Aufenthalte in Kazan waren sehr interessant für mich und ich habe sehr viele Erfahrungen in der Jugendarbeit und im Unterrichten sammeln können!

 

Anna Göltenboth

Hospitantin Deutsch-Russisches Hospitationsprogramm

djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.