Katastrophale Auswirkungen des Visainformationssystems (VIS) auf den Deutsch-Russischen Jugendaustausch

13.05.2015

Die geplante Einführung des VIS in Schengen-Vertretungen Russlands gefährdet den Deutsch-Russischen Jugendaustausch. Alle Antragsteller_innen, die das 12. Lebensjahr vollendet haben, müssen ab Oktober 2015 zur Beantragung eines Schengen-Visums persönlich in den jeweiligen Auslandsvertretungen erscheinen, damit ihre biometrischen Daten erfasst werden können. Bisher konnten Gruppenleiter_innen und Lehrer_innen das Visum im Vorfeld stellvertretend für die gesamte Gruppe beantragen.

Aufgrund der großen Distanzen sowie des finanziellen und zeitlichen Mehraufwands werden kleinere Städte und ländliche Gebiete Russlands mit dieser Änderung de facto von Internationalen Begegnungen ausgeschlossen. 

Chancengleichheit, Partizipation und Teilhabe für Jugendliche aus allen Milieus und unabhängig ihrer Herkunft zu gewährleisten, sind gemeinsame und länderübergreifende Ziele im Internationalen Jugendaustausch. Die djo-Mitgliedsorganisation JunOst e.V. (Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland) führt beispielsweise schon seit 2010 erlebnis- und umweltpädagogische Begegnungen mit Jugendlichen aus verschiedenen kleinen und großen Orten aus Ulan-Ude, Russland durch. Nach Einführung des VIS müssen die Jugendlichen des russischen Partnervereins zur Beantragung ihres Schengenvisums zum Deutschen Generalkonsulat Nowosibirsk reisen – 2.282 Kilometer entfernt! Selbst das neu eröffnete Visazentrum in Irkutsk liegt eine Tagesreise entfernt. Die zusätzlichen Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie der zeitliche Mehraufwand machen eine Teilnahme für die meisten der Jugendlichen unmöglich.  

Bei genau diesen Gruppen – Jugendliche, die aus wirtschaftlichen und/oder geografischen Gründen eben nicht selbstverständlich an internationalen Begegnungen teilnehmen können – wird durch die Einführung des VIS in Schengen-Vertretungen Russlands eine Teilnahme noch weiter erschwert. 

Um bestehende Partnerschaften zu pflegen und neue Projekte planen zu können, muss eine Ausnahmeregelung für Gruppen im Internationalen Jugendaustausch mit Russland gefunden werden, wie zum Beispiel durch Abgabe der Fingerabdrücke bei der Einreise oder durch eine stärkere Dezentralisierung der Registrierung. 

Das gemeinsame Ziel, interkulturelles Lernen, Toleranz und Offenheit zwischen Jugendlichen aus verschiedenen Ländern zu fördern, wird sonst in diesem wichtigen Bereich der Deutsch-Russischen Beziehungen schwer zu erreichen sein. 

 

Für Fragen und weitere Auskünfte: 

Sarah Gräf
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
djo-Deutsche Jugend in Europa, 
Bundesverband e.V.
Tel: 030 / 446 778-12
sarah-graef@djo.de
www.djo.de 

 

Informationen zum Jugendaustausch mit Ulan-Ude/Russland:

Ekaterina Ivanushikina
Bundesvorsitzende 
Verband der russischsprachigen Jugend in Deutschland JunOst e.V.
Tel: 089 / 379 655 33
ekaterina-ivanushkina@junost-online.de 
www.junost-online.de 


Die djo-Deutsche Jugend in Europa ist ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe und setzt sich für ein geeintes, demokratisches Europa ein, in dem der trennende Charakter von Grenzen überwunden ist. Im Rahmen ihrer Jugendarbeit fördert sie die kulturelle Betätigung von jungen Zuwander_innen als Mittel der Identitätsstiftung und Unterstützung zur gesellschaftlichen Teilhabe. In den Bereichen Internationaler Jugendaustausch, Kulturelle Bildung und Integrationsarbeit organi¬siert die djo-Deutsche Jugend in Europa auf Versöhnung und Verständigung ausgerichtete Austausch- und Begegnungsmaßnahmen insbesondere mit den ostmittel-, ost- und südosteuropäischen Ländern. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind der Einsatz für die weltweite Ächtung von Vertreibungen und das Engagement für die sozialen, politischen und kulturellen Rechte von Geflüchteten und Vertriebenen.