Projekte des Roma Büros Freiburg

Das Roma Büro Freiburg e.V. ist eine Selbsthilfeorganisation von derzeit zumeist Roma-Kriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien, aber auch  aus Rumänien und Bulgarien.  Der Verein setzt  sich mit verschiedenen Projekten, Kursen und Unterrichtsangeboten für die Selbstgestaltung des eigenen Lebens und gegen eine Alimentierung ein. Ein Kommentar zur aktuellen Situation geflüchteter Menschen in Europa von Tomas Wald, Leiter des Roma-Büros:

Im 19. Jahrhundert flüchteten aus Armut, Hungersnot und Verfolgung über 50 Millionen Europäer nach Nordamerika – dagegen geht es auf dem Mittelmeer heute noch ruhig zu. Die Flüchtlinge in Nordamerika waren damals willkommen: das heutige Lampedusa hieß damals  Ellis Island und die Freiheitsstatue „Mother of Exiles“, auf deren Sockel bis heute das Gedicht steht: “Gebt mir eure Müden, eure Armen, eure kauernden Massen, die sich danach sehnen, frei zu atmen“, geschrieben von einer Tochter jüdischer Einwanderer. Der Pionier-Elan der Zuwanderer, sich eine neue Zukunft aufzubauen, wurde gefördert – heute gibt sich Europa als Festung mit hohen Mauern, eine Politik der Abschreckung wird betrieben. Und wenn Flüchtlinge es bis nach Europa schaffen, werden sie auf engstem Raum in Lagern isoliert, ruhiggestellt und bevormundet.

Diese Politik ist gescheitert, das ständige Drama an den europäischen Außengrenzen und die Debatte um ein neues Einwanderungsrecht dominiert seit geraumer Zeit die europäischen Medien. Die Kapazitäten Flüchtlinge unterzubringen sind mittlerweile vielerorts ausgeschöpft. Immer wieder bilden sich informelle, Bretterbuden und Slumsiedlungen in den Ballungszentren.
Wem nützt dies? Zum einen den rechtspopulistischen Bewegungen, dann den Schwarz- und Graumärkten in Europa, wo die Lage der Flüchtlinge ausgenützt sich Arbeitsmärkte mit einem Durchschnittslohn von drei Euro etabliert haben, und zu guter Letzt der Mafia, die sich eine sogenannte „Flüchtlingsbetreuung“ zum Geschäftsfeld macht.
2014 stieg die Zahl der illegal in die EU eingereisten Flüchtlinge um über 150%  – auf der Mittelmeer-Route via Italien um 288 %: hier starben nachweislich mindestens 3.500 Menschen. Das Projekt „Migrant Files“ schätzt die Todesopfer seit dem Jahr 2000 auf 25.000–80.000.

Das 5.000–10.000 Euro teure Fluchtticket nach Europa kann nur der Mittelstand aufbringen, so verlieren die Krisenländer ihre Ärzte, Lehrer, Ingenieure. Die Masse der Flüchtlinge hingegen lebt in den Zelt- und Slumstädten zu Hunderttausenden rund um die Kriegs - und Katastrophenländer: in Pakistan (1,6 Mio.), Iran (0,87 Mio.) Libanon (0,85 Mio.), Jordanien (0,64 Mio.) Türkei (0,60 Mio.), erst an zehnter Stelle kommt als erstes westliches Industrieland die USA mit 260.000.

Der moralischen Frage, inwieweit die Fluchtgründe von den europäischen Industrieländern verschuldet sind – z.B. durch die europäischen Trawler vor der Westküste Afrikas, das kriegerische Eingreifen des Westens im Kosovo, Lybien, Irak, Afganistan, die EU-Agrarsubventionen und die zukünftig wahrscheinlichen Klimafolgen – wird bis heute konsequent ausgewichen. Stattdessen wird die Geste des Mitleids gepflegt – nie aber etwa aus Schuldgefühl für die eigenen Taten. Mitleid ist nicht einklagbar, Taten schon.

Jeder dritte Flüchtling in Deutschland ist ein Kind oder ein Jugendlicher.

Ein Drittel aller nach Deutschland einreisenden Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche. Nach Schätzungen leben mehr als 65.000 mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland. Sie alle brauchen Schutz vor sexuellen Übergriffen, kriminellen Einflüssen und Ausbeutung in den Jobs, schulische Bildung, medizinische Versorgung und wohnliche Privatsphäre. Auch für geflüchtete Kinder gilt die UN-Kinderrechtskonvention. Die Alleingekommenen stehen zumeist unter großem Druck, der Familie „zuhause“ mit Geld und/oder Organisation der Flucht zu helfen. Die Kinder und Jugendlichen werden oft Brückenbauer, Vermittler zur neuen Umgebung und Stützen der Familie. Sie sprechen als erste die Sprache des Ankunftslandes und gewinnen Orientierung im neuen Raum. Oft fühlen sie sich für die ganze Familie verantwortlich. Sie sprechen zwei bis drei Sprachen und sehen trotz Überforderung, Leid und Stress meist optimistisch in die Zukunft. Sie sind die Helden, die heute die großen Probleme von morgen lösen.

Tomas Wald / Büroleiter
Roma Büro Freiburg e.V.

 

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