Jahresgedenken an den Völkermord: Wir fordern eine Anerkennung!

01.06.2016

Am 02.06.2016 stimmt der Bundestag über den Antrag “Erinnerung und Gedenken an den Völkermord an den Armeniern und anderen christlichen Minderheiten in den Jahren 1915 und 1916” ab. Die djo-Deutsche Jugend in Europa fordert zur Aufarbeitung des dunklen Kapitels im Leben der Angehörigen und ihrer Nachfahren sowie zur Anerkennung des erfahrenen Leides eine Durchsetzung dieses Beschlusses. 

„Aghet“ (Katastrophe) wird der an ihnen verübte Völkermord von den Armenier_innen bezeichnet, „Sayfo“ (Schwert), heißt es bei den Assyrer_innen/Aramäer_innen. Vor 101 Jahren ordnete der damalige Innenminister des osmanischen Reichs, Talât Pascha, die Verhaftung von hunderten Mitgliedern der armenischen Elite in Konstantinopel (heutiges Istanbul) an. Dies war der Startschuss für einen Völkermord, der etwa 1,5 Millionen Menschen das Leben kostete. 
In der djo-Deutsche Jugend in Europa versammeln sich Jugendorganisationen, deren Familiengeschichten teils selbst mit den Schrecken von damals verknüpft sind. 

Der Assyrische Jugendverband Mitteleuropas (AJM) e.V. fordert ein Schuldeingeständnis und eine offizielle Entschuldigung von Seiten der türkischen Regierung. Auch erhoffen sie sich, dass der im Deutschen Bundestag gefasste Beschluss zur Anerkennung des Völkermords durchgesetzt und nicht aufgrund politischer und wirtschaftlicher Kooperationen mit der Türkei verworfen wird:

„Die politische Anerkennung in Deutschland ist ein längst überfälliger Schritt, welcher große Hoffnung für die internationale Anerkennung und Aufarbeitung des Völkermordes setzt. Als Nachfahren einer großen Opfergemeinschaft, die bis heute die Leiden des Völkermordes spürt, ist es ein sehr wichtiges Anliegen, dass das Thema in der Öffentlichkeit behandelt wird, auf den Lehrplänen steht und eine wissenschaftliche und gesellschaftliche Aufarbeitung erfolgt. Mit diesem Schritt fühlt sich unsere Community in Deutschland ein Stück weiter Verstanden und Angekommen. 

Bis heute steckt der Genozid in den Knochen der Opfergemeinschaft – mit Blick auf die Gräuel des diesjährigen Jahrhunderts im Nahen Osten, wird die Bedeutung der Aufarbeitung und der Übernahme von Verantwortung seitens der Täter bewusster denn je. Als Assyrer und Christen haben wir kein Rückzugsgebiet in unserer angestammten Heimat. Einst die indigene Bevölkerung Mesopotamiens, spüren wir bis dato, dass der Genozid vor über 101 Jahren bis heute seine Nachwehen setzt und seinem Ziel sehr nahe rückt, und zwar der vollständigen Auslöschung ganzer Bevölkerungsgruppen in gezielten Regionen.“

Der kurdische Kinder- und Jugendverband KOMCIWAN e.V. begrüßt die Bundestagsresolution und sieht es als seine Pflicht an, sich für die Anerkennung des Genozids einzusetzen:

"Die Aufarbeitung des Völkermordes ist ein wichtiger Schritt und unabdingbar in einem demokratischen Land wie der Bundesrepublik Deutschland. Auch der Nachfolger des osmanischen Reiches, die Republik Türkei, muss den Genozid aus historischer Schuld heraus als solchen anerkennen und sich aufrichtig dafür entschuldigen.

Auch einige kurdische Stämme im Osmanischen Reich haben sich am Völkermord beteiligt. Wir bitten daher die Nachfahren aller Betroffenen inständig um Verzeihung. Wir werden den Genozid nicht in Vergessenheit geraten lassen und hoffen auf dessen weltweite Anerkennung."

Gemeinsam setzen wir uns in der djo-Deutsche Jugend in Europa für eine Aufarbeitung des Völkermords im Jahr 1915 und 1916 ein. Wir fordern eine Anerkennung des Völkermords und des daraus entstandenen Leides und treiben selbst eine aktive gesellschaftliche Aufklärung voran.

Den Nachfahren der Opfer sprechen wir unser tiefstes Beileid aus!

 

Für Fragen und weitere Auskünfte:           

Sarah Gräf
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
djo-Deutsche Jugend in Europa, 
Bundesverband e.V.
Tel: 030/446 778-12
sarah-graef@djo.de
www.djo.de 

Sanharib Simsek
Vorsitzender des Vorstands
Assyrischer Jugendverband Mitteleuropa
(AJM) e.V.
Tel: 05251/28 43 040
Mobil: 0176/10051422
info@ajm.qolo.de
www.qolo.de

Rojan Bicer 
Mitglied des Vorstands
Kurdischer Kinder- und Jugendverband KOMCIWAN e.V.
Tel: 030/684 09 276
rojan-bicer@komciwan.eu
www.komciwan.eu

 

Die djo-Deutsche Jugend in Europa ist ein überparteilicher und überkonfessioneller Jugendverband, der sich für ein geeintes, demokratisches Europa einsetzt, in dem der trennende Charakter von Grenzen überwunden ist. Im Rahmen unserer Jugendarbeit fördern wir die kulturelle Betätigung von jungen Zuwanderer_innen als Mittel der Identitätsstiftung und Unterstützung zur gesellschaftlichen Teilhabe. In den Bereichen Internationaler Jugendaustausch, Kulturelle Bildung und Integrationsarbeit organisieren wir auf Versöhnung und Verständigung ausgerichtete Austausch- und Begegnungsmaßnahmen. Weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist der Einsatz für die sozialen, politischen und kulturellen Rechte von geflüchteten Kindern und Jugendlichen.