Empowermentstrategien in der Flüchtlingsarbeit

Die Assyrische Jugend Mitteleuropa (AJM) e.V. und Kurdistans Studenten & Jugend in Deutschland (KSJD) e. V. engagieren sich für geflüchtete Jugendliche – in ihrem direkten Umfeld aber auch über Ländergrenzen hinweg. Sie teilen die Erfahrung, um Angehörige, Familie und Freunde in aktuellen Krisengebieten bangen zu müssen. In Kooperation mit IDA e.V. haben sie im Juli ein gemeinsames Seminar zu Empowermentstrategien in der Flüchtlingsarbeit organisiert. Es war nicht die erste gemeinsame Aktion: Über die djo-Deutsche Jugend in Europa gab es bereits eine Zusammenarbeit von KSJ und AJM im Laufe der Ruhrgames diesen Jahres. Dort wurde ein gemeinsamer Aktionstag zum Thema Flucht und Migration durchgeführt. Darunter waren verschiedene Aktionen wie z.B. Refugees Welcome Mosaik, Theater, Quiz uvm. 

Das Seminar „Empowermentstrategien in der Flüchtlingsarbeit“ fand vom 10.-12. Juni 2015 im Salvador Allende Haus (Oer-Erkenschwick) statt. Über das Wochenende wurden verschiedene inhaltliche Gebiete abgedeckt: Von allgemeinen Inputs zur Flüchtlingspolitik bis hin zu detaillierten themenspezifischen Vorträgen.  Insgesamt haben ca. 25 Jugendliche teilgenommen, darunter sechs geflüchtete Jugendliche aus Syrien. Die Geflüchteten waren erst seit einigen Monaten in Deutschland, daher wurden die Vorträge zwischendurch immer übersetzt.

Die Veranstaltung verfolgte zwei Hauptziele. Ersteres diente dem Informationsaustausch und der Weitergabe von Wissen, um in der Flüchtlingsarbeit selbst aktiv zu werden. Es wurde hierbei auf eine ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis geachtet und Maßnahmen für die eigene Stadt konkret benannt. Vergangene oder laufende Projekte konnten in diesem Zusammenhang vorgestellt und auf jeweilige Hürden hingewiesen werden. Mit vor Ort war auch SOS – Save our Souls (www.1915.de), die einen Vortrag über ihre Arbeit und die aktuelle Lage der Flüchtlinge in Syrien und im Irak gehalten haben. 

Das zweite Hauptziel der Veranstaltung leitet sich aus dem Seminartitel ab. „Empowerment“ (= Ermächtigung) bezeichnet Strategien, mit denen Autonomie und Selbstbestimmung in einer Gruppe oder einer Gesellschaft gefördert werden. Dabei gehören Flüchtlinge in unserer Gesellschaft einer der am meisten marginalisierten Bevölkerungsgruppe an. Es beginnt damit, dass man in einem fremden Land beim Nullpunkt wieder anfangen und eine ganz neue Sprache erlernen muss. In den meisten Fällen lebt man in Angst vor Abschiebung und wirtschaftlich unter dem Existenzminimum. Ganz zu schweigen von Traumata aus Kriegen und Flucht sowie die Konfrontation mit Alltagsrassismus bis hin zu Erfahrungen mit offenem Hass und Gewalt. Angesichts dieser Tatsachen wird die Notwendigkeit von eigenem Empowerment klar ersichtlich. 

Dabei ist der erste Schritt, den Betroffen ihre rechtliche Lage zu erklären – im Klartext: Welche Rechte und Pflichte haben sie in der Bundesrepublik Deutschland? Daraufhin werden sie in soziale Netzwerke und an Institutionen weitervermittelt, die Hilfe leisten können. Während des Seminars gab dafür einen längeren Teil, indem die Geflüchteten Fragen an die Referent_innen stellen konnten.

Insgesamt war die Veranstaltung sehr gelungen. Nicht nur aufgrund der vielen interessanten Inputs, sondern vor allem aufgrund der Erfahrung, dass man gemeinsam mit Geflüchteten aktiv wird. Die Atmosphäre war sehr angenehm und entspannt, so dass sich auch viele neue Freundschaften entwickelt haben und wir einen zweiten Teil der Veranstaltung anstreben.

Die Veranstaltung wurde von AJM e.V. und KSJD e.V.  in Kooperation mit  IDA e.V. und dem djo-Landesverband NRW durchgeführt.

Ari Saeed
Kurdistans Studenten & Jugend in Deutschland (KSJD) e. V.