Für eine Kultur der Teilhabe

09.05.2017

Vor dem Hintergrund der erneuten Leitkulturdebatte fordert die djo-Deutsche Jugend in Europa von allen Parteien im Bundestagswahlkampf ein klares Bekenntnis zu einer Kultur der Teilhabe im Einwanderungsland Deutschland.

 

17 Jahre nachdem der umstrittene Begriff der Leitkultur erstmals in die Einwanderungsdebatte eingeführt wurde, sorgen nun die formulierten Thesen von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière zur Deutschen Leitkultur erneut für hitzige und teilweise unnötige Debatten.

In §2 (1) des Deutschen Grundgesetzes heißt es: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“  Es ist damit originäre Aufgabe der Bundesregierung, die kulturellen Bedürfnisse aller in Deutschland lebenden Menschen ins Auge zu nehmen und ihnen die Möglichkeit zu geben, diese auszuleben:

„Alle in Deutschland lebenden Menschen, auch Bürger_innen mit Migrationsbiographie und neu Zugezogene haben das verfassungsmäßig verbriefte Recht, ihre kulturelle Identität selbst zu wählen und zu leben“, betont Hetav Tek, Bundesvorsitzende der djo-Deutsche Jugend in Europa.

Die djo-Deutsche Jugend in Europa wurde nach dem II. Weltkrieg von jungen Vertriebenen gegründet. Auch sie brachten ihre kulturellen Traditionen abseits der damaligen Mehrheitskultur mit ins Nachkriegsdeutschland. Dies war nicht immer einfach, sudetendeutsche Kopftücher und ungewohnte Mundarten führten schon damals zu Diskussionen über die Grenzen von Zuwanderung aus den Ostgebieten. Jugendliche, die heute nach Deutschland kommen, machen mitunter ganz ähnliche Erfahrungen von Ausgrenzung.

Die jungen Menschen, die sich heute in unserem Verband zusammengeschlossen haben, wollen ihre Stimme in die politische Landschaft einbringen und gleichberechtigt an allen Lebensbereichen partizipieren. Sie wollen gemeinsam mit anderen das Zusammenleben in Deutschland mitgestalten und damit eine Kultur der Teilhabe schaffen, die allen offen steht und sich dadurch ständig weiter entwickeln kann. Junge Menschen jeder Generation hinterfragen Althergebrachtes und das aus gutem Grund. Denn eine Gesellschaft, die sich nicht weiterentwickelt, steht still und wird den Anforderungen einer sich ständig ändernden Welt nicht mehr gerecht. 

Es ist für uns selbstverständlich, dass wir uns für die gelebte Kultur in Deutschland interessieren, wir partizipieren aktiv über die Jugendverbände und gestalten sie mit.  Anstatt einer erneut aufgeworfenen Diskussion über die Konservierung einer Leitkultur, fordern wir eine aktive Auseinandersetzung darüber, wie alle in Deutschland lebenden Menschen – und gerade Jugendliche – sich produktiv in die Ausgestaltungsprozesse unserer Kultur durch Teilhabe einbringen können. Nur so können die Bedürfnisse aller gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland berücksichtigt werden.

 

Für Fragen und weitere Auskünfte:

Sarah Gräf
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
djo-Deutsche Jugend in Europa,
Bundesverband e.V.
Tel: 030/446 778-12
sarah-graef@djo.de

 

Die djo-Deutsche Jugend in Europa ist ein überparteilicher und überkonfessioneller Jugendverband, der sich für ein geeintes, demokratisches Europa einsetzt, in dem der trennende Charakter von Grenzen überwunden ist. Im Rahmen unserer Jugendarbeit fördern wir die kulturelle Betätigung von jungen Zuwanderer_innen als Mittel der Identitätsstiftung und Unterstützung zur gesellschaftlichen Teilhabe. In den Bereichen Internationaler Jugendaustausch, Kulturelle Bildung und Integrationsarbeit organisieren wir auf Versöhnung und Verständigung ausgerichtete Austausch- und Begegnungsmaßnahmen. Weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist der Einsatz für die sozialen, politischen und kulturellen Rechte von geflüchteten Kindern und Jugendlichen.