djo-Akademie goes digital - Ein Erfahrungsbericht von Ronas

Das Jahr 2020 hat sehr turbulent begonnen. Die Corona-Pandemie ist wie ein Sturm über die Gesellschaft – und über die Welt – gefegt und hat ab Mitte März auch bei uns das öffentliche Leben weitgehend stillgelegt. Auch die Jugendverbandsarbeit war davon sehr stark betroffen: Nach und nach wurden alle Veranstaltungen der ersten Jahreshälfte folgerichtig abgesagt, an Gruppenstunden, Treffen, Gremiensitzungen oder Bildungsakademien war nicht zu denken. In diesem Kontext wurde die jährlich stattfindende djo-Akademie erstmals in ein digitales Format umgewandelt, um einen „kontaktlosen“ Austausch zu ermöglichen!

Ein vielfältiges Programm

Neben einer laufenden Beratung nach Bedarf per Videokonferenz zu den djo-Fachbereichen beinhaltete das Programm diese Workshops:
Den Anfang machte ein Workshop am Donnerstag zu Graphic Recording, welcher eine Einführung in das Thema der Visualisierung von Notizen u. ä. gab. Es folgte am Freitag ein klassisches Webinar zur Fördermittelberatung von Engagement Global. Kreativ und expressiv ging es am Samstag weiter mit einem fast ganztägigen Workshop zum Thema Theater der Unterdrückten. Hier haben wir unter anderem in Gruppen kurze Theaterstücke erarbeitet, in welchen verschiedene Facetten des Einflusses der Corona-Pandemie auf das Leben von Menschen dargestellt wurden – Szenen aus unserem Alltag, aber auch z. B. die Situation der Geflüchteten auf Lesbos, wo eine humanitäre Katastrophe droht (#LeaveNoOneBehind !). Am Sonntag und Montag genossen wir eine Einführung in das professionelle Produzieren und Schneiden von Filmen mit dem Smartphone, setzten unser neues Wissen direkt selbst um und besprachen die Ergebnisse. Es folgte am Montagnachmittag ein Webinar zum Thema ökologische Transformation, in welchem wir uns mit der Fragestellung beschäftigten, wie wir eine nachhaltigere und zukunftsfähige Lebensweise für alle erreichen können. Den Abschluss markierte der Feedback-Talk am Abend mit einem anschließenden Quiz zum Thema Musik, in dem verschiedene Teams sich gegeneinander messen durften.

Anfängliche Zweifel 

Als die Ankündigung über die Umwandlung der djo-Akademie in ein digitales Format verkündet wurde, hatte ich zunächst gemischte Gefühle. Da ich an den djo-Akademien der zwei vorherigen Jahre teilgenommen habe und diese sehr positiv in Erinnerung behalten habe, waren die Bilder aus diesen letzten  Jahren noch sehr präsent in meinem Kopf und sorgten für Zweifel: Für mich war neben den Inhalten vor allem die Dynamik, der Austausch sowie die Interaktionen mit den anderen Teilnehmenden der Faktor, der die Veranstaltung jeweils zu einem großen Erfolg werden ließ. Daher hatte ich Skepsis, ob und wie diese Atmosphäre aufrecht erhalten werden kann über Zoom – vor allem bei bewegungs- und interaktionsintensiven Workshops wie Theater der Unterdrückten.

Wie sich herausstellte, waren meine Befürchtungen absolut unbegründet. Tatsächlich konnten die Digitalformate technisch sehr gut und ohne nennenswerte Komplikationen umgesetzt werden. Nicht nur ist alles reibungslos verlaufen, sondern verloren die Interaktionen zwischen den Teilnehmenden nicht im Geringsten an Quantität oder Qualität, obwohl wir alle nur über eine Videokonferenz zugeschaltet waren – sei es in den Breakout-Sessions in kleineren Gruppen oder in der Hauptsession, wo alle anwesend waren. Der Graphic-Recording-Workshop war super aufgebaut: Wir konnten quasi live neben den Erklärungen die Zeichnungen des Referenten mitverfolgen und danach diese selber austesten. Am Ende durften wir ein 5-Minuten-Gespräch live ,,mitzeichnen“, was trotz meiner anfänglichen Hemmschwelle überraschend gut funktioniert hat. Ich bin erstaunt, dass selbst ein im Zeichnen talentbeschränkter Mensch wie ich die Übungen aus dem Workshop ordentlich hinbekommen hat. Das Webinar von Engagement Global war informativ und stellte mir eine für mich neue, interessante Quelle für Projektmittel vor. Auf meine Fragen habe ich ausführliche und hilfreiche Antworten bekommen. Jedoch war die Zeit etwas zu wenig, wodurch bei einigen Stellen das Tempo so angezogen wurde, dass das Verfolgen nicht mehr leicht war.

Ein Highlight: Gemeinsames Theater auf der digitalen Bühne

Die Umsetzung des Theater-der-Unterdrückten-Workshops war mein Highlight der Akademie und hat mich regelrecht vom Hocker gehauen. Da mir das Konzept des Theaters der Unterdrückten aus vergangenen Workshops bereits bekannt war, habe ich mich gefragt, wie es überhaupt möglich sein soll, dieses in Videokonferenz-Form umzusetzen und wie wir miteinander über Zoom interagieren und gemeinsam Theater spielen sollen. Jedoch hat alles einwandfrei funktioniert: Von den Energizern zu den Übungen und den Kurzstücken am Ende konnte alles perfekt umgesetzt werden. Die Kurzstücke waren sogar (vor allem in Anbetracht der kurzen Zeit) so gut, dass sie aufgenommen und beim Feedback-Talk am Ende präsentiert wurden und aus meiner Sicht sind sie auch Material, das durchaus so veröffentlicht werden kann. Über Zoom erfolgreich mit anderen Theater zu spielen habe ich besonders genossen und sehe dies als eine wertvolle Erfahrung, die lehrt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Großes Kompliment an dieser Stelle an die Workshopleitung!

Die digitale Akademie – ein gelungenes Format

Auch wenn mir einiges aus dem Video-Workshop bekannt war, empfand ich die vermittelten Inhalte und praktischen Tipps als informativ und hilfreich. Dabei war gerade die Visualisierung einwandfrei: Durch das Ausnutzen der Technik konnte die Referentin, während sie Sachen erklärte, diese gleichzeitig ausführen bzw. umsetzen. Dadurch wurde das Erklärte direkt visualisiert und so besonders leicht verständlich. Daher finde ich sogar, dass dies ein Workshop ist, der von den Umständen profitiert hat und als digitales Format sogar besser funktioniert. Die Qualität der in der kurzen Zeit produzierten Kurzfilme der Teilnehmenden sind ein weiterer Indikator dafür. Das Webinar zur Ökologischen Transformation gab eine gute Einführung in ein hochinteressantes Thema. Jedoch war leider die Zeit viel zu kurz, um mehr in die Tiefe zu gehen, wodurch es lediglich bei einer Einführung blieb. Gerade bei der Selbsterprobung der Methoden hätte ich mir persönlich mehr Zeit gewünscht.

Als einziger, persönlicher Wermutstropfen (mit einem kleinen Augenzwinkern) bleibt für mich die Tatsache, dass die ganzen 50/50 – Entscheidungen in Runde 2 des Quiz-Abends, die natürlich alle in bester Murphys-Gesetz-Manier genau falsch herum ausgingen, unserem Team den Sieg kosteten. Etwas Genugtuung war da schon, dass wir wenigstens eine Person bzw. deren Team, die unbedingt vor uns landen wollte und während des Quizes viel scherzhaften Trash-Talk in meine Richtung betrieb, deutlich hinter uns lassen konnten.

Zuletzt bleibt mir nur noch, ein großes Lob und Dankeschön an alle auszusprechen, die an der Umsetzung, Planung und Durchführung der digitalen Akademie beteiligt waren. Sollte – entgegen aller Hoffnung und Bemühungen – die Corona-Pandemie auch nächstes Jahr persönliche, nicht-digitale Treffen verhindern, kann dieses Format sehr gerne für die nächste Akademie erneut zum Einsatz kommen!

 

von Ronas Karakas