Dragon Dreaming, Geocaching und Gemüseschnitzen

Zur djo-Akademie 2019 kamen vom 25. bis 28. April Haupt- und Ehrenamtliche der djo – Deutsche Jugend in Europa zu einem vielfältigen Fortbildungsprogramm mit hohem Mitgestaltungsfaktor zusammen. 

Aus Paderborn, Berlin, Düsseldorf, Hannover, Gießen, Neustadt an der Weinstraße und vielen weiteren Orten reisten mehr als 30 Haupt- und Ehrenamtliche am letzten Aprilwochenende ins niedersächsische Duderstadt, um an der diesjährigen djo-Akademie teilzunehmen und diese mit selbstorganisierten Kreativsessions mitzugestalten. Vor Ort war mit Kawîn Ali auch ein Mitglied des frisch gewählten djo-Bundesvorstands.

Schon am ersten Abend ging es mit einer spannenden Geocaching-Tour, einer Art GPS-gestützter Schnitzeljagd, los: Unter Anleitung von Stefan Sievers vom djo-Landesverband Niedersachsen fanden sich rasch vier Gruppen zusammen, die sich mit den bereitgestellten handlichen GPS-Geräten vertraut machten. Anschließend ging es raus ins Gelände, um gemeinsam die ausgelegten Rätsel zu lösen und dabei auf eigene Faust das mittelalterliche Duderstadt zu erkunden. Ein kleiner Zahlendreher brachte die Geocacher_innen kurz in Schwitzen bevor dann alle Teams wieder begeistert von der Entdeckungstour in der Jugendbildungsstätte ankamen. 

Beratung zu Fördermöglichkeiten

Mit einem Highlight ganz anderer Art startete dann am Freitagmorgen das Fortbildungsprogramm: Daniel Bulski von Aktion Mensch war aus Bonn angereist, um uns über die neuen, vereinfachten Förderrichtlinien der Stiftung zu berichten. Gespannt lauschte eine große Runde den vielfältigen Fördermöglichkeiten im Bereich Kinder- und Jugendhilfe, die sowohl für Projektneulinge als auch für erfahrene Projektmacher_innen passgenaue Lösungen bieten. Klar wurde uns bei den vielen interessierten Nachfragen: Die Aktion Mensch Stiftung kann bald mit zahlreichen Anträgen von djo-Gruppen rechnen!

Um Fördermittel ging es am Freitagnachmittag auch in einem Workshop zur BAMF-Förderung: Sarah Hanke, Referentin für Integrationsarbeit beim djo-Bundesverband, erläuterte die Abläufe, Themen und Vorgaben, die bei der Beantragung von Multiplikator_innenschulungen und Integrationsprojekten zu beachten sind. Rückfragen konnten ausführlich geklärt werden, sodass viele sich am Ende zutrauten, zukünftig eigene Anträge einzureichen. 

Wie die Umsetzung von mit KJP-Fördermitteln finanzierten Maßnahmen im Internationalen Jugendaustausch durch die Weiterentwicklung einheitlicher Qualitätskriterien fortlaufend verbessert werden kann, war Thema in einem Workshop mit Johanna Heil, Referentin für Internationalen Jugendaustausch beim djo-Bundesverband. Programm, Kommunikationsabläufe, Partnerschaften sind dabei nur einige Aspekte, die es hier zu berücksichtigen gilt, wie die Gruppe feststellte.  

Aber klar: Die Finanzierung von Projekten ist nur die halbe Miete. Eine große Vielfalt inhaltlicher Workshops bot daher Anregungen zu aktuellen Themen und neuen Methoden für die Projektarbeit. Los ging es am Freitag mit drei halbtägigen Workshops: Mit Jana Hermann erkundeten wir, wie die Thematik Nachhaltigkeit im Internationalen Austausch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf kreative Weise inhaltlich aufgegriffen werden kann. Theoretische Überlegungen und Beispiele aus der Praxis regten zu Diskussionen darüber an, wie wir insbesondere bei unseren eigenen Maßnahmen deren Umwelteinfluss reduzieren können. 

Diversitätssensible Öffentlichkeitsarbeit und Gewaltfreie Kommunikation

Keine Maßnahme ohne Teilnehmende, keine Verbandsarbeit ohne Ehrenamtliche – ohne attraktive Öffentlichkeitsarbeit geht es nicht. Dabei aber Sprache, Geschichten und Bilder so auszuwählen, dass sich die Zielgruppen tatsächlich angesprochen fühlen, ist manchmal gar nicht so einfach. Schnell kann es passieren, dass wir hier unbewusst diskriminierende Darstellungen reproduzieren. Hierfür sensibilisierten uns Sarah Gräf und Anne Vogt in ihrem Workshop zu diversitätssensibler Öffentlichkeits- und Medienarbeit. Gemeinsam wurde vorhandenes Material anhand verschiedener Diversitätskategorien untersucht und anschließend Ideen dazu entwickelt, wie wir möglicherweise verzerrenden Darstellungen in unserer verbandlichen Öffentlichkeitsarbeit entgegenwirken können. 

Parallel dazu standen bei Theres du Vinage, Referentin für Kulturelle Jugendbildung beim djo-Bundesverband, im Workshop zur Gewaltfreien Kommunikation (GfK) nach Marshall Rosenberg vier Schritte im Zentrum: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Die GfK-Methodik hilft uns auszudrücken, wie wir (konfliktbehaftete) Situationen wahrnehmen, was sie in uns auslösen und wie wir damit umgehen möchten. Anhand eigener Beispiele konnten wir ausprobieren, wie wir durch dieses schrittweise Vorgehen Kommunikationsprozesse in vielfältigen Lebensbereichen fruchtbarer und lebendiger gestalten können. 

Der Samstag war geprägt von drei ganztägigen Workshops zu sehr unterschiedlichen Themen, die zu einem intensiven Austausch in den Einzelgruppen führten und am Abend zu vielen interessanten Gesprächen führten. So erkundeten wir gemeinsam mit Elisaweta Smuschkevic ausführlich, wie Kommunikationsprozesse durch Bilder und Symbole unterstützt und befördert werden können. Sie zeigte uns, wie wir einfache zeichnerische Mittel gezielt einzusetzen können, um beispielswiese bei Maßnahmen mit sprachlich gemischten Gruppen die Verständlichkeit für alle zu verbessern und die Aufmerksamkeit zu fördern. Mut machte dabei die Erkenntnis, dass mit ein paar Kniffen wirklich alle zeichnen können! 

Dragon Dreaming

Träumen, Planen, Machen und Feiern – und auf diese Weise Projekte umsetzen? Diese Vorstellung stieß bei der Gruppe im Workshop zur stark partizipativen und eher spielerischen Projektmanagementmethode „Dragon Dreaming“ anfangs auf Stirnrunzeln. Statt mit Zielen und Zahlen die Projektplanung mit Träumen zu beginnen war für die Gruppe um Ulrike Reimann zunächst ein großes Umdenken, löste aber im Laufe des ganztägigen Workshops viele Aha-Momente aus. Gerade der „Traumkreis“ wird sicherlich im djo-Kontext bald an der einen oder andere Stelle auftauchen!

Szenen aus dem realen Leben in Rhythmen, Töne, Bilder, Texte und Schauspiel zu transformieren und in ihre gesellschaftlichen Kontexte von Unterdrückung und Ungleichheit einzubetten – dazu hatten wir im Workshop „Theater der Unterdrückten“ mit Christoph Leucht Gelegenheit. Eine kleine Auswahl an Szenen wurde am Samstagabend vor der gesamten Gruppe vorgeführt. Ganz im Sinne der Methode griffen einige Zuschauer_innen anschließend selbst mit eigenen Spielvorschlägen ein. Hier wurde deutlich, welche Perspektiven sich für die Entwicklung kollektiver Ansätze für die ‚Dekonstruktion‘ von (verdeckten) Herrschaftsstrukturen eröffnen können. 

Mitmachen und Mitgestalten 

Mitmachen und Mitgestalten waren auch in diesem Jahr wichtige Elemente der djo-Akademie: Neben mitgebrachten Warm-ups sorgten vor allem die selbstorganisierten Kreativsessions für viel Vergnügen zwischen Mittagessen und Nachmittagsworkshops: Ronas Karakas von KOMCIWAN e.V. hatte zum Musikmachen eine Cajón mitgebracht und leitete außerdem eine kurzweilige Einführung in kurdische Tänze an, wobei neben den Schrittfolgen vor allem die zunehmende Geschwindigkeit eine Herausforderung für Kopf und Körper war! Eine Kreativsession ganz anderer Art bot Anastasjia Komerloh von JunOst e.V. an: Mit ihrer Hilfe und unter Einsatz kleiner Küchenmesser verwandelten wir Äpfel, Gurken und Radieschen in Schwäne, Rosen und andere dekorative Elemente. Alle waren begeistert und präsentierten Stolz ihre essbaren „Carving“-Kunstwerke. So schmeckte es selbst den kleinsten Teilnehmenden!
Individuelle Beratung durch die djo-Fachreferentinnen, kollegialer Austausch, mitgebrachte Spiele und abendliche Runden am Lagerfeuer rundeten das Programm ab. „Super Format, gerne weiter und mehr davon!“ oder „Hat viel Spaß gemacht, lockere und dennoch produktive Atmosphäre“ waren nur einige der Kommentare am Abschlusstag. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste djo-Akademie im ersten Halbjahr 2020! Themenvorschläge könnt ihr gern schon jetzt an uns weiterleiten!

Sarah Hanke
Referentin für Integrationsarbeit
djo – Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.