Geschichte neu erleben! Ein Bericht von Jan Moravec

Deutsch-Tschechische Programmwochen 2019 — ein Rückblick

Mein Name ist Jan Moravec und seit Anfang  September bin ich als Freiwilliger im Europäischen  Freiwilligendienst bei der djo – Deutsche  Jugend in Europa in der Bundesgeschäftsstelle  tätig. Ich komme aus dem  westlichen Teil der Tschechischen Republik,  bin 20 Jahre alt und freue mich auf meine  Zeit in Berlin.  

Nur einige Wochen nach meiner Ankunft  in der deutschen Hauptstadt fanden die  Deutsch-Tschechischen Programmwochen in  Bahratal statt. In dem Spukschloß Bahratal  — einer der Bildungsstätten der djo-Bundesgeschäftsstelle  — haben sich im Oktober  gleich dreimal jeweils eine Woche  deutsche und tschechische Jugendliche zu  einem Austausch getroffen. Das Thema in  diesem Jahr war „Widerstand gegen diktatorische  Regime am Beispiel von Rosa Luxemburg  und Jan Palach“. Ich kann sagen,  dass es sich bei den Programmwochen um  keine gewöhnliche Veranstaltung in dem  Sinne handelte, dass man Vorlesungen zu  dem Thema besucht. Die Teilnehmenden  haben vielmehr ihre Kenntnisse im Rahmen  von Diskussionen und Brainstormings  ausgetauscht. Es gab oft sehr aufregende  Gespräche zur Frage, ob es sich in der heutigen  Zeit lohnt, Widerstand zu leisten. Das  Hauptziel — sprachliche Barrieren zu überwinden  — ist dabei immer gelungen.  

Innerhalb dieser drei Wochen sind Jugendliche  von insgesamt acht Schulen nach  Bahratal gekommen. Am ersten Tag haben  wir uns immer mithilfe von Spielen kennengelernt  und uns auch mit dem Thema der  Woche beschäftigt. Der zweite Tag war jeweils  ein Projekttag — wir haben uns hier in  Kleingruppen dem Widerstand gewidmet.  Nach dem Abendbrot gab es transkulturelle  Abende: Die Teilnehmenden haben eine  Präsentation über ihr Heimatland (bzw.  Stadt, Schule) vorbereitet und dem Rest  der Gruppe vorgetragen. Es wurde gekocht  und gebacken, getanzt, gesungen und auch  auf Instrumenten gespielt. Mitte der Woche  fand dann ein Ausfl ug nach Prag statt, wo  wir das Museum des Kommunismus sowie  die historische Altstadt und den Wenzelsplatz,  auf dem sich Jan Palach selbst verbrannt  hat, besucht haben. Schließlich ging  es auch nach Dresden, wo wir an einer besonderen  Stadtbesichtigung mit Gefl üchteten  teilgenommen haben. Sie haben uns  die Möglichkeit gegeben, die Stadt durch  ihre Augen zu sehen — und es war tatsächlich  hochinteressant und spannend, aber  auch sehr emotional. Die Stadtführung  wurde von Querstadtein e.V. organisiert  und ich bedanke mich ganz herzlich für ihr  Engagement.  

Am letzten Abend fand jeweils eine Abschlussparty  im Spukschloß Bahratal statt.  Es gab Lagerfeuer, Disco und Zeit zum Unterhalten  — so konnte jede und jeder machen,  was ihr oder ihm am liebsten war. Am  Lagerfeuer haben wir Instrumente gespielt  und gesungen und die Atmosphäre war  großartig. Am letzten Tag stand die Evaluation  des Programms auf der Tagesordnung.  Wir räumten gemeinsam auf und danach  mussten wir uns verabschieden und zurück  in unsere Städte fahren.  

Meiner Meinung nach waren alle Programmwochen  erfolgreich. Die Teilnehmenden  sowie die Teamer_innen haben  neue Geschichtskenntnisse, neue Wörter  aus einer oder sogar zwei Fremdsprachen  mit nach Hause mitgebracht — und natürlich  neue Freundschaften, die während der  Wochen entstanden sind.  

Jan Moravec
Freiwilliger im Europäischen
Freiwilligendienst
djo – Deutsche Jugend in Europa,
Bundesverband e.V.