How to write about Belarus?

Ein Erfahrungsbericht von Johanna Hiebl über ihre Zeit in Minsk, Belarus im Sommer 2018

Ja, wo sollte man da eigentlich anfangen? Und vor allem wie? Und wie komme ich dort überhaupt hin? In drei Wochen Hospitanz beim belarussischen Studierendenverband (kurz ZBS) in Minsk bekam ich  einen Schnellkurs Belarus, viele interessante Einblicke in die belarussische Zivilgesellschaft und Kultur, sowie total symphytische Bekanntschaften gleich mitgeliefert. In einem Meer aus Eindrücken versuche ich euch nun einige Eindrücke zu filtern. 

ZBS ist die älteste und leider auch einzige nationale studentische Organisation, die belarussische Studierende auch in der europäischen Studierendenunion vertritt. Als zivilgesellschaftliche Organisation setzen sich die Aktivist*innen vor allem für eine Verbesserung des Hochschulsystems, die Einhaltung und Schutz studentischer Rechte und Interessen, die Erhaltung und Popularisierung der belarussischen Sprache in Bildung und Wissenschaft ein. 

In einem bunten Haufen junger Menschen aus unterschiedlichen Fachbereichen und Interessensgebieten fand ich mich schnell in einer motivierten Gemeinschaft wieder, die stets daran baute, die zivilgesellschaftlichen Strukturen in Belarus im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu stärken. Durch vielfältige Formate, wie ein Science Picknick, Infoveranstaltungen, Filmabende, Diskussionen und Vorträge wurden Expert_innen ins Boot geholt, sich kreativ ausgelebt und es fand immer ein reger Meinungsaustausch statt. 

Überwältigt von diesem sehr intensiven Monat, der wirklich wahnsinnig schnell verflogen ist, bleiben mir viele Momente im Kopf hängen. Von der Lebendigkeit und Energie, die das Co-Working Space „Komnata 3/0/2“ versprühte, den frischen Geruch von Schokolade, der immer über der hippen Kastrychnickaja-Straße aus der nahegelegenen Fabrik hinweg wehte und dem Rattern der einfahrenden Metro – um nur einige zu nennen. 

Gerade beim Abschied fielen oft die Worte, dass es den Aktivist_innen nicht so vorkäme, als wäre ich nur einen Monat hier gewesen. Wir waren einfach wirklich auf einem Nenner, sowohl arbeitstechnisch, als auch privat und ich bin wirklich dankbar in so einem Umfeld gestrandet zu sein und Stück für Stück durch ihre Gesichter Belarus entdecken zu können. Ich sehe diese Zeit als Beginn und auch Auslöser dafür, mich noch stärker mit der belarussischen Kultur und Sprache zu beschäftigen.

Ich bin immer wieder begeistert, mit welcher Energie und Tatkraft die Aktivist_innen Projekte entwickeln und umsetzen, auch wenn vielleicht gar nicht sicher ist, ob ihr Vorhaben nicht vielleicht verboten wird oder andere negative Konsequenzen tragen wird. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich der Verein in den letzten Jahren neustrukturiert und aufgebaut hat. Ich konnte dazu immer wieder Parallelen zu meiner eigenen Vorstandsarbeit in der GFPS (Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa e.V.) wiederfinden und entweder konnte ich mein Wissen teilen oder selbst viel Neues dazulernen. Last but not least – nach meiner Hospitation weiß ich sowohl meine Möglichkeiten und Freiheiten zur studentischen Mitbeteiligung, wie auch das Studiensystem in Deutschland wieder mehr zu schätzen. 

Neben den vielen neuen Erfahrungen, Bildern und neuen Geschmäckern zehre ich sicherlich lange von vielen gut gemeinten Worten oder der ansteckenden Neugierde. Wenn auch du neugierig geworden sein solltest, dann mich dich einfach auf nach Belarus. Es gibt so viel zu entdecken. 

PS: Um auf die Anfangsfrage zurück zu kommen, hier einige Hinweise, was man beim Berichten über Belarus übrigens vermeiden sollte. 

 

Johanna Hiebl                                                                                                                                                                                    
Hospitantin, Internationales Hospitationsprogramm                                                                                                        
djo-Deutsche Jugend in Europa, Bundesverband e.V.